Drei Spieltage vor Schluss musste der HSV damit die Tabellenführung an den Rekordmeister abtreten. Kiels 16. Titel ist vor den Spielen gegen Balingen (H) und Großwallstadt (A) nur noch Formsache. "Ich gratuliere Kiel zur Meisterschaft", gab sich Trainer Martin Schwalb mit der dritten Vizemeisterschaft vor Augen geschlagen.
Dabei war alles bereitet für die größte Sause in der Hamburger Handballgeschichte. 13.296 Zuschauer in der O2-World. Rekordkulisse! Rekordlautstärke! Aber eben keine Rekordleistung! Irgendetwas schien die Beine (und Köpfe) der HSV-Stars zu lähmen. In der Deckung ließen sie Kiel zu viel Raum, im Angriff lief’s noch schlechter. Ein einziges Tor warf der HSV in den ersten 18 Minuten aus dem Rückraum. Nur Hans Lindberg (zehn Würfe, zehn Tore), Jogi Bitter (13 Paraden) und später auch Domagoj Duvnjak erreichten Normalform.
Kiel zeigte sich variabler, dem Druck besser gewachsen. Die Titelhamster kompensierten die Ausfälle von Kim Andersson und Momir Ilic (wurde für drei Siebenmeter eingewechselt) ohne merklichen Leistungsabfall. Der THW war nicht abhängig von Superstar Filip Jicha, auch nicht von Torwart Thierry Omeyer (zehn Paraden).
Den Franzosen hatte Trainer Gislason zwölf Minuten vor Schluss sogar von der Platte genommen. In einer Phase, als der HSV am Ausgleich roch. Marcin Lijewski aber verpasste die Chance zum 25:25 (50.). Schwalb: "Wenn wir da ausgleichen, kann das Spiel auch in eine andere Richtung kippen."
Der HSV aber verpasste die Big Points. Über die gesamten 60 Minuten ging er nicht einmal in Führung. Als schließlich Christian Sprenger zum 31:27 in den verwaisten HSV-Kasten traf, war das Spiel entschieden, Kiel (so gut wie) Meister, der HSV am Boden, die Hamburger Zuschauer verstummt. "Ihr werdet nie Deutscher Meister", riefen ihnen die THW-Anhänger entgegen. "Der eine oder andere hat heute seine Problemchen gehabt", sagte Schwalb. "Die Niederlage tut sehr weh. Denn die Chance, Meister zu werden, war nie größer."
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