Die historische Fehleinschätzung ist acht Jahre alt. „In Amsterdam wurde ich weggeschickt, weil ich zu schlecht war“, erzählt Eljero Elia. 14 Jahre war der neue HSV-Hoffnungsträger damals und zu Tode betrübt, als er von kurzsichtigen Jugendtrainern aus der berühmten Ajax-Schule entfernt wurde. Zurück zu diesem Klub? „Das kam für mich ganz sicher nicht in Frage.“ Da konnte Martin Jol, der neue Fußball-Herrscher von Amsterdam, noch so sehr buhlen. Für Elia war Ajax genauso wenig ein Thema wie Chelsea, Arsenal oder Manchester City. Elia: „Ich wollte nur zum HSV.“
Und das hat Gründe. „Ich will immer den nächsten Schritt tun“, beschreibt der junge Mann seine Karriereplanung noch auf Englisch („Ich verstehe Deutsch, in acht Wochen werde ich auch sprechen können.“). Über den übernächsten Schritt macht er sich noch (!) keine Gedanken. Aber die Beispiele seiner Landsleute van der Vaart (zu Real), Boulahrouz (zu Chelsea) und de Jong (zu Manchester City) haben Elia beeindruckt. „Ich habe mit Rafa, Nigel und auch mit Joris Mathijsen gesprochen“, erklärt Elia – sie alle rieten ihm zum Wechsel nach Hamburg. „Sie sagten: ‚Da kannst du dich entwickeln, da wird man sich um dich kümmern.’“
Sein Coach will die Entwicklung des Neun-Millionen-Euro-Einkaufs konsequent aber behutsam vorantreiben. „Er sollte nicht nur immer über die hohe Ablösesumme definiert werden. Das ist ein junger Spieler“, sagt Bruno Labbadia über den dynamischen Flügelflitzer, der in Hamburg an seinen Schwächen arbeiten („Ich muss mehr Tore schießen.“) und dann lieber früher als später zur tragenden Säule werden will.
Nach dem Länderspiel der Niederlande gegen Norwegen hatte Labbadia sich vor wenigen Wochen in Rotterdam mit Elia zusammengesetzt. Der Neu-Hamburger: „Danach habe ich zu meinem Berater gesagt: Ich will nur zum HSV.“ Dabei umgarnte der HSV-Coach seinen Wunschspieler keineswegs mit schwülstigen Komplimenten. „Ich habe ihm nicht das Blaue vom Himmel erzählt“, stellt Labbadia klar. Er schenkte ihm reinen Wein ein.
Über Elias private Verhältnisse braucht Labbadia sich derweil keine Sorgen zu machen. Der Millionen-Mann ist bodenständig. Gattin Sanna ist noch in Alkmaar, wird in etwa fünf Wochen die erste gemeinsame Tochter zur Welt bringen. Elia ist überglücklich: „Wenn die Kleine auf der Welt ist, kommt meine Familie nach Hamburg. Ich suche ein Haus für uns.“ Bis dahin will er arbeiten – an sich und für den HSV. Und zwar mit Gottes Hilfe. Auf seinen Handballen sind seit dem 31.12.2008 die Worte „God“ und „Bless“ eintätowiert. Da kann ja nichts mehr schief gehen.