Die HSV-Mitglieder haben gestern Post bekommen. Absender waren die Bosse persönlich. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann und Aufsichtsrats-Chef Horst Becker wandten sich an die Gefolgschaft. Dem "offenen Dialog" bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. Juli wird dort entgegengefiebert, die bisherigen Spieler-Einkäufe gefeiert und Dietmar Beiersdorfer mit warmen Worten gedankt. Der ist zwar weg, für die Verpflichtung der neuen Stars aber mitverantwortlich - als Schattenmann.
Es war sicher ein eigenartiges Gefühl für Bruno Labbadia, als er am Abend vor der Abfahrt ins Trainingslager mit den Entscheidungsträgern zusammensaß. Hoffmann, Chef-Scout Michael Schröder und der Coach trafen sich zum Austausch. Beiersdorfer war nicht dabei - natürlich nicht. "Ich bedauere es sehr. Unsere Zusammenarbeit war sensationell gut", hatte Labbadia verraten, "ich werde den Kontakt zu Dietmar beibehalten. Ab und zu rufe ich ihn an und frage nach, wie etwas abgesprochen war."
Beiersdorfer hatte seine Transferpläne mit Zé Roberto, Tesche und Elia bis zur Entscheidungsreife vorangetrieben. In altbewährter Manier machte Hoffmann die Deals dicht. Die ungleichen zwei haben also trotz der spektakulären Trennung noch ein letztes Mal gemeinsam Gutes zuwege gebracht. Beiersdorfer genießt die Transfererfolge mittlerweile jedoch als Privatier. Gemeinsam mit Gattin Olczay (im fünften Monat schwanger) urlaubt er unter türkische Sonne.
Der Nachfolger des Sportchefs ist derweil noch nicht in Sicht. Der Aufsichtsrat hat sich zwar darauf verständigt, dass es ein erfahrener Mann mit einem Platz im Vorstand sein wird. Wer dieses Profil erfüllen wird (Kandidaten sind Hoogma, von Heesen), ist noch unklar.