Nach einer Stunde war alles geklärt. Gemeinsam mit seinem Berater Frank Schouten wurde Eljero Elia bei den Klubbossen des HSV vorstellig, nach der Kritik des Niederländers am Verein und seiner medizinischen Abteilung (die MOPO berichtete) war eine Kopfwäsche angesagt. Eine Geldstrafe bekam er aufgebrummt, Vorstand Katja Kraus sprach von einem "sehr guten Gespräch". Und doch wird man sich wohl schon bald in ähnlicher Konstellation wiedersehen.
Der erste Wirbel um Elia wurde aus der Welt geschafft - der nächste aber dürfte in Kürze folgen. Denn nach MOPO-Informationen bahnt sich für den Sommer der Abgang der HSV-Sturmrakete an. Kein Geringerer als Rekordmeister Bayern München hat die Fühler nach Elia ausgestreckt. Ein erstes Treffen von Berater Schouten mit den Bayern-Chefs gab es bereits, ein nächstes ist angedacht dann soll Elia dabei sein. Und jeder weiß: Sollte München ernst machen, dürfte der 23-Jährige nicht zu halten sein.
Die Bayern, so teilten sie es Elias Berater mit, wollen vorbauen. Sollte Franck Ribéry nicht in München verlängern, muss Ersatz her. Diesen scheinen die Bayern in Elia gefunden zu haben. Für den HSV könnte sich ein lohnendes Geschäft anbahnen. Für knapp zehn Millionen Euro kam der Nationalspieler im Vorsommer aus Enschede, unterschrieb bis 2014 - zumindest 15 Millionen Euro dürfte er nun einbringen.
Sollte sich das Interesse erhärten, könnte Elia nur den Anfang eines tiefen Einschnittes in den derzeitigen HSV-Kader bilden. Denn auch Jerome Boateng steht vor dem Absprung. Nach wie vor hängen die Vertragsgespräche mit dem HSV, im Sommer dürfte Boateng für eine feste Ablöse von 12,5 Millionen Euro wechseln. Und alles spricht dafür, dass Manchester City diese Summe zahlen wird. Der Wechsel scheint nur noch Formsache zu sein.
Boateng so gut wie weg, Elia womöglich auch. Für den Sommer wird zudem erwartet, dass Zé Roberto (steht in Kontakt mit Red Bull New York) trotz seines Bekenntnisses zum HSV einen Wechsel ins Auge fassen könnte. Und auch die Zukunft der intern umstrittenen Guy Demel und Piotr Trochowski gilt als ungeklärt. Bei entsprechenden Angeboten wäre der HSV wohl bereit, beide trotz laufender Verträge vorzeitig abzugeben.
Reichlich Theater beim HSV - an allen Fronten. Immer öfter äußern Spieler ihren Unmut. Elia etwa bemängelte die aus seiner Sicht zu späte Knöchel-OP (wurde vergangene Woche in Amsterdam durchgeführt). Das Resultat war die Geldstrafe, zudem machten die Bosse ihm klar, dass er seine Reha ab Mittwoch in Hamburg zu absolvieren habe.
Auch der Kapitän zeigt kein Verständnis für Elias Äußerungen. "Das sind Dinge, die er sich nicht erlauben darf", so David Jarolim. "Wir haben eine medizinische Abteilung, um die uns viele in Europa beneiden! Niemand läuft hier auf, wenn das Risiko zu groß ist." Jarolim ist in Sorge. Er hat erkannt, dass der HSV auf dem Wege ist, sich zu zerfleischen und mahnt: "Wir sind im Viertelfinale der Europa League und in der Bundesliga auf einem Platz für das internationale Geschäft. Es gibt große Ziele, die wir noch erreichen können. Das Letzte, was wir brauchen, ist Theater." Doch der HSV steckt schon mittendrin.