Es war ein Auftritt, der so gar nichts mit der Dramaturgie der Vortage gemein hatte. Guy Demel bleibt beim HSV, Jerome Boateng wohl auch. Dennis Aogo trägt in dieser Woche mit Stolz den DFB-Adler auf der Brust und Ruud van Nistelrooy künftig die Raute. Alles klasse, von vorn bis hinten. Leider wurde nebenbei auch noch Fußball gespielt.
Das 0:1 bei Borussia Dortmund schmerzte. Und es warf Fragen auf: Warum nahm der HSV den Kampf nicht an? Und wieso fand er offensiv so gut wie nicht statt? Mladen Petric war ratlos. "Aus unerklärlichen Gründen haben wir nach 15 Minuten aufgehört, so zu spielen, wie wir es geplant hatten", zürnte der Kroate.
Auch David Jarolim moserte: "Wir haben einfach keinen Fußball gespielt." Und Bruno Labbadia stellte ernüchtert fest, "dass wir das gegenseitige Kräftemessen nach 15 Minuten verloren haben. Wir haben nicht zu unserer spielerischen Linie gefunden." Unterm Strich war das zu wenig, um beim euphorisierten BVB bestehen zu können.
Da half auch Jürgen Klopps Ansicht den Hamburgern wenig: "Ich bin Fan des HSV, aber diesmal war es entscheidend, dass wir wirklich nichts zugelassen haben." Es war die erste HSV-Pleite nach drei Siegen in Folge, zudem der erste Auswärts-Nullinger der Saison. Eigentlich nicht dramatisch wäre da nicht der Druck, den der HSV sich nun selbst auferlegte.
Am Freitag, wenn der kriselnde Meister Wolfsburg in der Nordbank Arena gastiert, muss unbedingt ein Dreier her. "Ansonsten wird der Abstand nach oben allmählich zu groß", weiß Petric.
Labbadia, davon ist auszugehen, wird seine Stammelf verändern. Eljero Elia, in Dortmund eine halbe Stunde vor dem Ende eingewechselt, steht vor der Rückkehr in die Startelf. Fraglich nur, ob er als Petric' Sturmpartner fungieren wird oder aber Piotr Trochowski verdrängt. Der deutsche Nationalspieler enttäuschte in Dortmund auf ganzer Linie. Neben Elia bewarb sich auch Marcus Berg für die Stammelf. Tunay Torun hingegen verspielte Kredit.
Knackig kalt wird's am Freitag. Dem HSV muss das egal sein. Nur ein Dreier erhält die heißen Träume von der Champions League am Leben.