Sie warfen weiter - in blinder Raserei. Der Blutrausch der Kölner Fans war längst nicht gestillt, als sie ihr perverses Werk bereits vollendet hatten. Mit blutüberströmtem Gesicht lag Alexander Laas hilflos neben der Eckfahne und konnte nicht fassen, was gerade geschehen war. Ein Trommelstock aus dem Kölner Block hatte ihm eine klaffende Platzwunde zugefügt. Auch Daniel van Buyten war der Schock in die Glieder gefahren. "Er schrie: ,Mein Auge, mein Auge!'", beschreibt der Kapitän die Szene nach dem Tor zum 2:0 (54.), die den 3:1 (1:0)-Sieg des HSV gegen Köln nachhaltig überschattet.
Nichts Böses ahnend hatte Laas sich in die Jubeltraube vor dem Kölner Block gestürzt. Die totale Freude schlug innerhalb eines Sekundenbruchteils um in Fassungslosigkeit und Furcht. "Ich habe nur gemerkt, dass mir ein spitzer Gegenstand ins Gesicht geflogen ist, dann konnte ich nichts mehr sehen, weil mir das ganze Blut ins Auge gelaufen ist", erzählte der 21-jährige Niendorfer.
Vom lähmenden Entsetzen, das von einem Großteil der 55800 Zuschauer Besitz ergriffen hatte, blieben die Kölner Anhänger verschont. Obwohl Laas regungslos am Boden lag, flogen weiter Bierbecher (einer davon verletzte Lauth an der Stirn) und andere Gegenstände aus der Kurve. Der Kapitän musste eingreifen und seinen Mitspieler aus der Gefahrenzone tragen. "Ich wusste erst nicht, was Daniel bezweckt", berichtete der erstaunlich aufgeräumte Leidtragende nach dem Spiel, "dann habe ich realisiert, dass er mich vor den Verrückten retten wollte." Kaum zu fassen, aber bis auf einen Brummschädel und eine kapitale Beule (die Platzwunde wurde geklebt) trug Laas keine Schäden davon, kehrte nach vierminütiger Behandlungspause zurück aufs Feld. Laas: "Ich wollte unbedingt weitermachen, es lief ja ganz gut für mich."
Thomas Doll war voll des Lobs über den zweiten Bundesligaeinsatz des "harten Alex". "Ich wusste, dass er wieder kommt", sagt der Coach. "Er ist auf einem richtig guten Weg." Den Ernst der Lage verkannte aber auch der Trainer nicht. "Ein paar Zentimeter tiefer, dann hätte Alex wohl sein Auge verloren."
In der Tat war für Laas am Ende glimpflich ausgegangen, was in einer Katastrophe hätte enden können. Der mutmaßliche Täter stellte sich nach dem Spiel dem Kölner Fanbeauftragten, der die Polizei einschaltete. Das DFB-Sportgericht hat die Ermittlungen aufgenommen, könnte die Kölner gar mit einer Platzsperre belegen. Wahrscheinlicher ist eine hohe Geldstrafe. Der SC Freiburg hatte nach der Golfballattacke auf Oliver Kahn (s. Kasten unten) 75000 Mark berappen müssen. Der Täter war mit 30 Arbeitsstunden davongekommen. Es ist zu erwarten, dass in diesem Fall deutlich abschreckendere Strafen verhängt werden.