Von einem Moment auf den anderen kamen die Fans auf der Haupttribüne des Al-Kartoom-Stadions in Wallung. ER war am Ball! "Beckhaaaaam", dröhnte es aus den Kehlen der Zuschauer, als gäbe es nichts Größeres auf Erden. Immer wieder das gleiche Spiel, minutenlang. Sie hatten ihren Spaß. Nur der da unten, dem die Ovationen galten, ließ sich nichts anmerken. Er ist eben Profi. Durch und durch.
David Beckham in Dubai. Normal ist das alles nicht. Wie ein Messias wird der neue Superstar des AC Mailand von den Fans bei den Trainingseinheiten gefeiert, jeder seiner Schritte bis ins letzte Detail verfolgt. Danach geht's dann erst richtig los. Alle wollen was von ihm. Die Fans sowieso. Dazu Kamerateams, Rundfunkreporter und schreibende Journalisten. "Ich weiß nicht, ob er heute redet", sagt die Mailänder Pressesprecherin der wartenden Meute. "Ich denke, eher nicht. Er hat gestern eine Stunde gesprochen."
Dann kommt David Beckham. Und redet. Was auch immer man sich über den 33 Jahre alten Engländer erzählen mag, eines wird gern vergessen: Dass er den Drang verspürt, seiner Popularität gerecht zu werden. Beckham läuft nach Niederlagen nicht weg, er steht Rede und Antwort. Ist immer höflich und nett. Und er stellte auch gestern die Journalisten zufrieden, obwohl er das nun wirklich nicht musste.
"Manchmal ist das alles schon ein bisschen zu viel", sagt er über den Rummel. "Aber ich genieße es auch, ein Teil dieses Teams zu sein." Wie lange das der Fall sein wird, bleibt offen. Bis Anfang März läuft sein Leihvertrag, dann muss er wohl zurück in die US-Major League Soccer, nach Los Angeles. "Ich bin ein Galaxy-Spieler", gibt er zu verstehen. "Ich liebe es, dort zu wohnen, es ist großartig für meine Familie."
Grandios ist auch das Interesse an Beckhams erstem Auftritt für Milan. In 110 Ländern wird die Partie gegen den HSV übertragen, wohlgemerkt ein Testspiel. "Es wird schwierig", vermutet "Becks", "und schön für die Fans." Dass er die Hamburger nicht allzu gut kennt, muss man ihm wohl nachsehen. Einen Ritterschlag hatte er dennoch parat - für Martin Jol. "Ich kenne den Trainer", so "Becks", "er ist ein großartiger Mann und hat sehr erfolgreich in England gearbeitet."
Jol gab die Blumen postwendend zurück. "Beckham ist noch immer ein großartiger Spieler", meint der Niederländer. "In England ist er sogar so was wie ein Filmstar. Und ich habe auch mal gehört, dass einige Frauen ihn ganz schön finden."
Jol ist ein Fuchs. Er sagt vieles mit einem Augenzwinkern. Eines aber meint er ernst - und trifft den Nagel auf den Kopf: "David Beckham ist einfach ein unglaublich netter Junge. Da geht es gar nicht so um Fußball."
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