Bülent Korkmaz hatte seine Vorstellungen klar formuliert. "Die Hälfte des Stadion", so mutmaßte der türkische Trainer, werde zu Galatasaray halten. Ein Heimspiel im Volkspark, nichts anderes erhofften sich die Gäste. Und so kam es dann auch: Mehr als 15000 Türken hatten sich auf Umwegen Tickets besorgt und versuchten, dem HSV die Hölle heiß zu machen. "Das war tatsächlich wie ein Heimspiel", gab Korkmaz zufrieden zu Protokoll.
David Jarolim traute seinen Augen nicht, als er kurz vor dem Anpfiff einen Blick auf die Ränge warf: "Unglaublich, wie viele türkische Leute ins Stadion gekommen sind." Lediglich 5000 Karten bekam Gala vom HSV gestellt. Den Rest besorgten sich die Türken zu Schwarzmarktpreisen von bis zu 200 Euro über Mitglieder des HSV - die durften sich zuvor mit bis zu vier Tickets pro Person eindecken. "Es war klar, dass einige Karten einfach nur verkauft werden würden", so Sportchef Dietmar Beiersdorfer.
Das Resultat war eine fantastische Stimmung, ein deutsch-türkisches Volksfest in der Arena. "Fast ein Heimspiel für Gala", so Joris Mathijsen. "Ist schon komisch, beim Einlaufen ins eigene Stadion ausgepfiffen zu werden." Marcell Jansen fand's "einfach nur geil! Das war ein schöner Vorgeschmack auf Istanbul." Nicht einmal die verbotenen bengalischen Feuer, die mehrfach entfacht wurden, konnten die Begeisterung trüben. "Es war zu erwarten, dass das nicht komplett ausbleiben würde", so HSV-Klubboss Bernd Hoffmann.
Nun wartet die Hölle von Istanbul. Im Ali-Sami-Yen-Stadion wollen die Gala-Fans den HSV vom Hof jagen - und möglicherweise vorher schon entnerven. Mit Störfeuern vor dem Teamhotel wird gerechnet, die Nacht könnte aus Sicht der HSV-Profis kurz werden. "Aber wir arbeiten ein ganzes Jahr darauf hin, um solche Spiele erleben zu können", so Hoffmann. "Ich bin mir sicher, dass unsere Mannschaft damit klarkommen wird." Sie muss es. Sonst droht das Aus.