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HORROR-ENTHÜLLUNG

Berliner Eliteschule: Schüler missbraucht und gefoltert

Pater

Foto: dpa





Die beiden Geistlichen, die sich an den Jungen vergingen, galten als besonders beliebte Lehrer, die vor den Gräueltaten ein intensives Verhältnis zu den Opfern aufgebaut hatten. Die Opfer waren Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren. Der Rektor des Kollegs, Pater Klaus Mertes, hat nun rund 500 ehemalige Schüler angeschrieben und ihnen die Vorfälle gestanden. "Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Mit dem Brief wollen wir mitteilen, dass wir ansprechbar sind." Mertes, ein angesehener Pädagoge, bat alle ehemaligen Canisianer um Entschuldigung und versprach die Aufklärung der Fälle.



Das wird nicht einfach, denn betroffen sind die Jahrgänge von 1975 bis 1983. Bereits 2004 und 2005 hatten sich zwei Missbrauchsopfer bei Mertes gemeldet, damals um Stillschweigen gebeten. Im Januar kamen gleich fünf Männer im Alter über 40 zu Mertes und offenbarten sich. Sie hatten sich ihr Schicksal im Rahmen von Jubiläumsfeiern gestanden und den Mut zur Aussprache gefunden. Zwar meldete sich gestern die Kriminalpolizei bei Mertes, doch strafrechtlich ist den Tätern nicht beizukommen: Ihre Taten sind verjährt.



Nun ist die Berliner Anwältin Ursula Raue mit der Aufarbeitung des Skandals betraut. Sie hat die beiden Täter bereits angeschrieben, einer hat die Abscheulichkeiten gestanden. Raue: "Es gibt Opfer, die diese Taten verarbeitet oder verkapselt haben. Möglich, dass die Erinnerung durch den Brief wieder hochkommt." Viele Missbrauchsopfer quälen sich mit Selbstvorwürfen. Traumatisch, dass ihnen oft Hilfe von Erwachsenen verwehrt wird.



Auch Pater Mertes, seit 1994 an der Schule, stellt sich die Frage, ob er nicht früher hätte handeln müssen: "Ich gebe es zu: Die Gerüchte gab es schon immer", gestand er gestern. Doch er habe nichts Konkretes in der Hand gehabt. Mertes erklärte seinen Schülern in einer Vollversammlung die Umstände. Ebenfalls gestern bekam er weitere Mails von Ex-Schülern, die er nun sprechen muss. Mertes benutzte die Worte "gefoltert und vergewaltigt". Der Jesuiten-Pater wirkte ratlos: "Ich weiß nicht, was da noch kommt."

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Datum:  29.1.2010
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