Alles eine Frage der Übersetzung: „I’m truly sorry“, heißt es da beim katholischen Oberhirten, „ich bedauere das aufrichtig.“ Eine zweifelsfreie Entschuldigung klingt anders.
Im etwas verklausulierten Duktus geht es weiter: Im Namen der Kirche drückt der Heilige Vater „die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen.“
Es sei „eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland“, so die Deutung von Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sieht das nicht so: Der Papst müsse nicht jeden Tag über alles sprechen, so Lombardi. Benedikt habe wiederholt gegen Missbrauch Stellung bezogen und mit Opfern gesprochen, außerdem sei das Problem der irischen Bischöfe verschieden.
Hintergrund: Im streng katholischen Irland hatten Würdenträger der Kirche laut einem Untersuchungsbericht jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen durch Geistliche vertuscht. Insgesamt ist von 14 500 Opfern die Rede.
Die „Initiative Kirche von unten“ (IKvu) warf dem Papst vor, in seinem Hirtenbrief bei „verbaler Betroffenheit stehen“ zu bleiben. Enttäuscht zeigte sich auch die Reformbewegung „Wir sind Kirche“: „Dieser Brief ist noch nicht der große Durchbruch“, so Christian Weisner, Sprecher der Initiative. Der Brief vermittle den Eindruck, es gehe dem Papst um das Ansehen der Kirche – und nicht um die Opfer.
Hat Josef Ratzinger bereits als Münchner Erzbischof lieber vertuscht statt einen katholischen Kinderschänder der Polizei zu melden? Laut „Spiegel“ soll er 1980 im Fall eines aus Essen nach München versetzten Kinderschänders detaillierter informiert gewesen sein als bislang bekannt. In einem Übergabebrief des Bistums Essen an Ratzinger habe klar erkennbar gestanden, dass Kaplan Peter H. sich sexuell an Kindern vergriffen hätte. Dennoch meldeten Ratzinger und sein Erzbistum den Kinderschänder nicht der Polizei. Die damaligen Bedenken des Psychotherapeuten Werner Huth wurden laut „Tagesspiegel“ schlicht ignoriert.