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HERBERT HOFFMANN: "Flammend' Herz" schlägt nicht mehr

Herbert Hoffmann

 Foto: dpa

Sein Körper war ein einziges Bilderbuch. Orchi-deen rankten sich über seine Brust, über seinen Rücken schlich ein Tiger, über den rechten Oberarm segelte ein Schiff. Und auch wenn sich zuletzt immer mehr Falten durch die Tätowierungen von Herbert Hoffmann zogen, so kamen doch stets neue dazu, bis kaum ein Flecken mehr frei war. Jetzt ist Hamburgs Tattoo-Legende tot. Der St. Paulianer, der seit einem Film über sein Leben bei vielen nur noch 'Flammend' Herz' hieß, starb im Alter von 90 Jahren in der Schweiz.



Herbert Hoffmann. Das war der Urvater des Tattoos. Der Mann, der die Kunst auf der Haut von ihrem Unterschichten-Image befreite. Kamen zunächst nur Matrosen und Hafenarbeiter in seine Tätowierstube am Hamburger Berg 8, so waren es zunehmend auch Hausfrauen, Akademiker und sogar Politiker. Als in den 90ern ein wahrer Tattoo-Boom unter jungen Leuten ausbrach, hatte Hoffmann sein Ziel erreicht -auch wenn er da schon in der Schweiz lebte, wo er in den 80er Jahren ein Haus geerbt hatte.



Geboren wurde der Sohn eines Fleischermeisters 1919 in Stettin. Dort bewunderte er in seiner Kindheit die Arbeiter und Tagelöhner für ihre blaufarbigen Körperstiche. 'Ich fühlte mich immer zu den einfachen Menschen hingezogen', sagte er einmal. Doch in der Nazi-Zeit galt ein Tattoo als 'entartet'. Erst 1949 kam er zu seiner ersten Hautgravur: Das Seefahrermotiv Glaube, Liebe, Hoffnung (Kreuz, Herz, Anker) hatte er sich in der Kriegsgefangenschaft bei einem Kameraden abgeschaut. Ab 1961 führte er die 'älteste Tätowierstube Deutschlands' auf St. Pauli und wurde mit ihr international bekannt. Hoffmann fehlte auf keiner Tattoo-Convention, er fotografierte seine Kunden und brachte den Band 'Bilderbuchmenschen' heraus, der nun wohl um ein Kapitel ergänzt werden muss -ein Kapitel über das Urgestein der Tattoo-Geschichte: Herbert Hoffmann.



(ng)

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