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HELLS ANGELS

So bieder lebt der Mord-Rocker

Mitarbeiter der Spurensicherung an ihren Wagen am Mittwoch vor dem Wohnhaus in Anhausen.

Foto: dpa

Karl-Heinz B. war Mitglied der berüchtigtsten Rockerbande der Welt - der Hells Angels. Das wussten alle im Örtchen Anhausen bei Koblenz. Und keinen störte es. Schließlich lebte der gelernte Konditor genauso bieder wie seine Nachbarn, hockte in Shorts auf dem Rasen und pflegte seinen Garten penibel. Am Mittwoch wurde der 43-Jährige, den alle nur "Kalli" nannten, zum Polizistenmörder und das Entsetzen in dem 1400-Seelen-Ort ist groß.



Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) wollte gegen 6.30 Uhr das mit Säulen verzierte Einzelhaus des Rockers stürmen. Es ging um Erpressungen von Frauen im Rotlicht-Milieu. Die Freundin von "Kalli" B. bemerkte offenbar, wie die Beamten an der Haustür hantierten, und weckte ihren Freund. Der Sportschütze holte eine großkalibrige Pistole und feuerte zwei Mal durch die geschlossene Tür. Eine Kugel traf einen 42-jährigen Polizisten trotz Schutzweste tödlich (MOPO berichtete). Der Hells Angel sitzt nun wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft.



Anhausens Bürgermeisterin Heidelore Momm (54) ist entsetzt: "Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen." Ein Nachbar ergänzt: "Kalli war nett und hilfsbereit. Seine Freundin kam aus dem Dorf. Bei der Beerdigung eines Nachbarn war Kalli nach dem Gottesdienst ganz gerührt, wie schön der Pfarrer geredet hat."



Nach dem Polizistenmord denkt der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) nun über ein Verbot von Rockerbanden nach: "Es macht aber nur Sinn, wenn es länderübergreifend ist." Der Politiker kündigte an, gemeinsam mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern noch vor der nächsten Innenministerkonferenz über ein Verbot zu beraten.



Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), forderte ebenfalls ein Verbot der Rocker: "Das ist aber schwierig, auf den Weg zu bringen. Die Mitglieder der Hells Angels oder Bandidos wahren immer den Schein, dass es sich um Einzeltäter handelt." Laut Freiberg sei es unglaublich, was sich die Rocker in Deutschland bereits erlauben. Der Gewerkschaftschef forderte bundesweite konzentrierte Ermittlung bei der Bekämpfung von Hells Angels, Bandidos und Co. des 43-jährigen Hells Angel im beschaulichen Anhausen bei Koblenz.

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Datum:  19.3.2010
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