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HEIDI KABEL

Ikone mit Herz und Schnute

Ikone mit Herz und Schnute

Foto: dpa

Und mit einer frechen Schnute, die – wenn nötig – auch mal Kritik übte.



„Der Mensch ist nicht fürs Nixtun geschaffen.“ Das war ihr Lebensmotto. Abseits der Bühne kümmerte sich die Bühnen-Legende um verkommene Gräber auf dem Ohlsdorfer Friedhof, sie engagierte sich für Obdachlose, hatte Patenschaften für Kinder in Afrika und Jamaika.



Heidi, die treue Seele. Ihr Herz gehörte dem „Ohnsorg“-Theater, 66 Jahre stand sie dort auf der Bühne, spielte auch mit Fieber und Schnupfen. „Jammern is' nich!“ Nur eine Sache machte ihr Sorgen: das Alter. „Dem kleinen Knopf im Ohr vertraue ich nicht“, sagte sie. Der keine Knopf half Schauspielern bei Textlücken während der Aufführung. Kollege Henry Vahl nutzte diese Art der technischen Souffleuse. Doch als er eines Tages versehentlich den Polizeifunk empfing und alles mitsprach, was ihm ins Ohr geflüstert wurde, war für Heidi klar: „Diese Blamage will ich nie erleben!“ Silvester 1998 verabschiedete sich Kabel mit 84 Jahren von der Bühne. Es gab Standing Ovations, doch Heidi blieb realistisch: „Ich merkte, dass nicht mehr alles perfekt lief.“



Der Bühnen-Star, längst zum Wahrzeichen dieser Stadt erkoren, lernte im Othmarscher Ernst-und-Claere-Jung-Stift, das Alter zu genießen. Täglich bekam sie Besuch. Die drei Kinder und fünf Enkel teilten sich auf. „Es war immer jemand da, der mit ihr gesungen hat. Das liebte sie“, sagt ihr Sohn Heiko (67). Heidis Erinnerungslücken wurden größer, der Alltag zuletzt beschwerlich. Wenn es anfange zu schmerzen, sei es an der Zeit, „in Ruhe einzuschlafen“, sagte Kabel einmal. Am Dienstagmorgen dieser Woche war diese Zeit gekommen. Hamburg hat seine treueste Seele verloren.

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Datum:  19.6.2010
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