MOPONews
News

Heidi Kabel (†95)

Sie gehörte zu Hamburg wie der Michel!

Heidi Kabel

Foto: dpa

Dienstagfrüh um fünf Uhr starb die Schauspielerin im Ernst-und-Claere-Jung-Stift in Othmarschen, wo sie seit 2003 lebte. „Ihr Herz hat einfach aufgehört zu schlagen, es war ein gnädiger Tod“, sagt ihr Sohn Heiko R. Mahler (67).



Beachtliche 95 Jahre wurde „uns Heidi“ alt – und blieb doch bis zuletzt Hamburgs liebste und lustigste „Deern“. Ein Wahrzeichen für den Norden, eine Bühnen-Legende, die selbst in Bayern Kultcharakter besaß. „Das Lachen ist das Wichtigste, für mein Publikum und für mich“, erklärte Heidi Kabel einmal. Mit ihr verabschiedet sich die letzte Volksschauspielerin einer ganzen Ära. Ohne sie ist Deutschland ein Stück ärmer.



Über das Fernsehen machte Kabel das Plattdeutsche von 1954 an in ganz Deutschland salonfähig. Heidi – die Volksschauspielerin. Ein Begriff, den es heute gar nicht mehr gibt. Heute gibt es Action-Helden oder Comedy-Stars. Dass aber jemand alles kann, live auf der Bühne und ohne ständige Pausen … ein Renner in den 60er Jahren!



In mehr als 65 Jahren am Ohnsorg-Theater war sie in mehr als 160 plattdeutschen Stücken zu sehen, verkörperte tratschsüchtige Nachbarinnen, keifende Hausdrachen und resolute Mütter. Heidi lachte und schimpfte. Sie sprach Hamburger Platt, so wie die Menschen auf der Straße. An Silvester 1998 – mit 84 Jahren – nahm Heidi Kabel Abschied von der Bühne des Ohnsorg-Theaters. Die Doppelrolle in dem Lustspiel „Mein ehrlicher Tag“ war einst ihr erstes Tourneestück gewesen. In dem Kinofilm „Hände weg von Mississippi“ von Detlev Buck hatte sie 2007 noch einmal einen Gastauftritt.



Ihr Schauspielerkollege Peter Striebeck sagte einmal: „Heidi Kabel kommt immer als Mensch auf die Bühne und man vergisst, dass sie spielt. Darum ist sie eine echte Volksschauspielerin.“



Und eine Kämpfernatur! Kabels Fleiß ist legendär. „Wie sehr dieser Disziplin-Wahn über die Jahre an ihr genagt hat, wusste nur sie selbst“, meint ihr Enkel Jan Hinnerk Mahler, der eine Biografie über seine Oma geschrieben hat. Im März 1970 bestand sie darauf, die Vorstellung von „Suuregurkentied“ zu Ende zu spielen, obwohl sie in der Pause die Nachricht vom Tod ihres Mannes, Ohnsorg-Chef Hans Mahler, erhalten hatte. „Sie ist so erzogen worden, dass man keine Gefühle zeigt und dass man das mit sich selber ausmacht“, sagt ihre Tochter Heidi Mahler. „Trotzdem hat sie hat uns gegenüber immer ihre ganze Liebe gezeigt.“



Und die Familie gab ihr diese Liebe zurück. „Jeden Tag hatte sie Besuch“, erzählt Sohn Heiko Mahler über Kabels letzte Jahre im Altenstift. Die drei Kinder, fünf Enkel und vier Urenkel teilten sich auf. „Es war immer jemand da, der mit ihr gesungen hat. Das liebte sie.“ Seit einigen Jahren saß Kabel aus Altersschwäche im Rollstuhl. „Dennoch waren wir oft draußen, sie hat sich zuletzt so am Frühling erfreut.“



Erst letzte Woche erlitt die an Demenz leidende Schauspielerin einen Schwächeanfall. Heiko Mahler sagt: „Es ging ihr zunächst sehr schlecht, doch sie erholte sich. Alle haben gehofft, sie sei auf einem guten Weg.“

Ihren Geburtstag am 27. August hätte Heidi Kabel gern noch erlebt, weiß ihr Sohn. Die Familie plant eine Beerdigung neben dem Grab ihres Mannes auf dem Nien-stedtener Friedhof.



„Ich habe immer versucht, mit Anstand zu leben, was mir mein Schicksal vorgegeben hat“, waren Heidi Kabels nüchterne Worte. Sie hat viel mehr geschafft. Sie ist zu einer Legende geworden.

Heidi Kabel

Bildergalerie ( 20 Bilder )

Sprüche von Heidi Kabel

Bildergalerie ( 7 Bilder )

Stimmen zum Tod von Heidi Kabel

Bildergalerie ( 7 Bilder )

So trauern die MOPO-User um Heidi Kabel

Bildergalerie ( 20 Bilder )
Weitere Meldungen News

Vor einer Kamera hat Isabell Horn (Pia Koch aus GZSZ), keine Scheu. Doch so erotisch wie bei den Aufnahmen für die FHM zeigte sie sich noch nie.  mehr...

Was haben die Münsteraner Kommissare Thiel (l.) und Liefers herausgefunden? Bald könnte es ihre Ermittlungsakten aufs Handy geben.

Fans der Krimiserie könnten während der Ausstrahlung bald Ermittlungsakten aufs Smartphone bekommen. Die ARD denkt über solche Projekte nach, um Zuschauer stärker in den „Tatort“ einzubeziehen.  mehr...

Der sechsjährige Etan Patz war 1979 in einer gefährlichen Gegend von New York auf dem Weg zu seinem Schulbus verschwunden.

Auf der Suche nach einem seit 33 Jahren vermissten Jungen in den USA sind die Ermittler offenbar auf neue Hinweise gestoßen.  mehr...

Datum:  16.6.2010
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken
Typisch Frau

Der Mai ist da, die Leute heiraten. So mit Mitte zwanzig kriegt die Frau die ersten „Hurra, wir trauen uns“-Einladungen.