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HARTZ IV-EMPFÄNGER

Minigolf auf Staatskosten

Ein Skandal, mit dem sich jetzt „Hamburger Arbeit“ (HAB), ein öffentliches Unternehmen und mit 12 Betriebsstätten einer der größten Beschäftigungsträger der Stadt, auseinandersetzen muss.



Maike B. packt aus. Sie macht den Minigolf-Skandal öffentlich. Und erzählt noch viel mehr. Denn sie ist sauer. Die 45-Jährige macht einen Ein-Euro-Job, der ihr 120 Euro monatlich einbringt. Das ist wenig. Und deshalb ärgert es sie, dass die HAB schamlos absahnt. „Die haben nichts weiter getan, als mir den Ein-Euro-Job zu vermitteln. Und dafür kassieren die 450 Euro vom Staat. Monat für Monat.“ Denn so hoch ist die durchschnittliche Fallpauschale, die die Arge an die Träger zahlt. „Aber wofür? Doch wohl nicht für das, was da Qualifizierungsmaßnahme genannt wird, oder?“, sagt sie.



Vorgeschrieben ist, dass Ein-Euro-Jobber für drei Tage im Monat statt zu ihrem Arbeitsplatz zu ihrem Träger gehen und etwas lernen. Auf dem Papier ist alles genau geregelt. Unter der Überschrift „Konzept Allgemeine Qualifizierung für die Integrationsphase“ ist da von „Coaching“ die Rede, von „Unterstützung bei Bewerbungsaktivitäten“. Klingt gut.



Aber all das findet offenbar oft nur auf dem Papier statt. In ihrem Tagebuch hat Maike B. notiert, wie das letzte dreitägige Qualifizierungsseminar tatsächlich aussah: „Montag, Unterricht von 8 bis 10: Von Qualifizierung keine Rede. Es gab nette Gespräche. Raucher waren draußen, die Dozentin las Zeitung. Dienstag, von 10 bis 12: Wir waren Minigolf spielen im Stadtpark. Sind auch noch auf die Aussichtsplattform des Planetariums. Mittwoch, von 8 bis 11 Uhr: Jeder hatte was zum Frühstücken mitgebracht. Dann nach Hause.“



Maike B. berichtet, dass noch nicht ein einziges Mal vernünftige Schulungen durchgeführt wurden. „Immer wurden wir nach zwei, drei statt nach sechs Stunden nach Hause geschickt. Die Kursleiterin hat uns eingebleut, dass wir, wenn wir gefragt werden, immer sagen sollen, wir würden tüchtig lernen.“ Übrigens: Die Kursleiterin ließ sich eine Quittung geben, um sich die Kosten fürs Minigolfen von der HAB erstatten zu lassen.



Nachdem die MOPO die HAB mit den Vorwürfen konfrontiert hat, muss sich die Dozentin einen neuen Job suchen. Sie wurde gefeuert. Minigolf spielen auf Staatskosten gibt es nicht mehr. Und die Arge „team.arbeit.hamburg“ will ihre Prüfgruppe in Marsch setzen, damit künftig sichergestellt wird, dass Qualifikation drin ist, wo Qualifikation draufsteht.

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Datum:  2.8.2010
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