Sie ist so mysteriös wie ihr eigener Hauptdarsteller, so berechnend wie der berühmteste Zauberlehrling der Welt. Kein Hogwarts-Kunststück zu erahnen, dass Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling fast nie Interviews gibt. Und wenn, dann müssen sie etwas ganz Besonderes sein. Jetzt ist wieder eines der seltenen Gespräche erschienen, exklusiv in der November-Ausgabe des Straßenmagazins "Hinz & Kunzt".
Ungewöhnlich offen spricht die reichste Frau Englands, die sich vor ihrer Fantasy-Saga und nach einer gescheiterten Chaos-Ehe selbst als Sozialhilfeempfängerin durchschlagen musste, über ihre Zukunft und über das Ende ihres Helden. Beim Schreiben des siebten Bandes "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" - mit einem blauen Filzstift in der Suite des Balmoral Hotels in Edinburgh - habe sie sich häufig schwer getan, gesteht die Multimillionärin. "Besonders aufreibend war der Tag, an dem ich Kapitel 35 schrieb, in dem Harry sich auf seinen Tod vorbereitet. All die Emotionen aus den Jahren der Arbeit sind da aus mir herausgebrochen." Zehn Tage nach der Veröffentlichung des Bestsellers, der im Buchhandel erneut alle Rekorde bricht, "hatte ich dann einen kompletten Nervenzusammenbruch", so die 42-Jährige. Es war ihr Geburtstag, auch Harrys Geburtstag, "und ich habe die ganze Nacht geheult".
Viele Tränen über einen Abschied, der endgültig ist. Denn für Rowling ist sicher, "dass ich nie wieder ein großes Fantasy-Abenteuer schreiben werde". Sie arbeite vielmehr an einem Märchenbuch für sehr kleine Kinder. Romane für Erwachsene könne sie sich irgendwann ebenfalls vorstellen.
Auch jeden Zweifel an Harrys Erbe wischt die dreifache Mutter kategorisch vom Tisch. Sie werde keine Potter-Fortsetzungen anderer Autoren dulden. Jede Kopie sei falsch. "Ich werde verhindern, dass jemals jemand Fremdes Harry-Potter-Bücher schreibt", droht Rowling. Und dafür hat sie einen ganz persönlichen Grund: "Harry Potter ist mein. Nur ich verstehe ihn."