Es sind Szenen, die jedem Tierfreund das Herz brechen: Ein Mann schleudert seinen Kater quer durch die Wohnung, wirft ihn vom Balkon - das Tier prallt zehn Meter entfernt gegen eine Hauswand. Immer wieder prügelt der Besitzer auf den am Boden liegenden und blutenden Kater ein, malträtiert ihn mit Fußtritten. Erst als Nachbarn einschreiten, lässt er von dem Tier ab. Donnerstag stand John M. (29) für die Quälerei seines Katers Minka (damals acht Monate) vor dem Amtsgericht Harburg.
Zusammengesackt sitzt der zwei Meter große Mann mit kurzgeschorenem blonden Haar auf der Anklagebank. Der Hartz-IV-Empfänger gibt sich zerknirscht: "Es tut mir megamäßig leid", sagt er der Richterin. Die Schuld für seinen Ausraster im September letzten Jahres gibt er dem Kater: "Meine Tochter hat mit Minka gespielt. Als er sie am Hals gekratzt hat, bin ich einfach ausgetickt", stammelt der 29-Jährige. Warum er jedoch nicht von seinem Haustier abließ, als es schon blutend am Boden lag, immer wieder auf das Tier einschlug und eintrat - das kann John M. sich selbst nicht erklären: "Ich wollte nur, dass der Kater verschwindet. Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat."
Dass Minka nach den brutalen Attacken überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder: Das Tier trug Knochenbrüche, eine Verletzung des Kiefers, Augenschwellungen und offene Wunden davon. John M. habe dem Tier "erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt", so die Richterin. Weil sich der Angeklagte aber reumütig zeigte und alle Vorwürfe gegen ihn einräumte, kam er mit einer Geldstrafe von 400 Euro davon.
Zu seinem Ex-Besitzer muss Minka nicht zurück. Gegen John M. wurde schon vor Prozessbeginnn ein Tierhalteverbot verhängt. Der getigerte Kater hat sich laut Auskunft des Tierheims Süderstraße inzwischen erholt: Im Februar hat er ein - hoffentlich liebevolleres - Zuhause gefunden.