Wer arbeitslos ist, lebt normalerweise nicht in der HafenCity, sondern auf der Veddel oder in Harburg. So teilt sich die Stadt in reicher und ärmer. Eine Binsenweisheit, die nun vom Statistik-Amt Nord mit konkreten Zahlen vom September 2009 untermauert wird. Denn die Arbeitslosenquoten in Hamburgs Stadtteilen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Billbrook trauriger Spitzenreiter mit 14,7 Prozent Erwerbslosen ist, sind die Elbvororte wie Blankenese mit nur 2,1 Prozent betroffen. In der HafenCity leben sogar nur elf Arbeitslose (1,7 Prozent).
Nach Angaben des Statistik-Amtes trifft die Steigerung der Arbeitslosigkeit von insgesamt 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr allerdings reiche und arme Stadtteile gleichermaßen. Die Krise verteilt sich also insgesamt "gerecht". Ausreißer gibt es in den Stadtteilen Veddel (plus 2,3 Prozent) und Hammerbrook (plus 2,9 Prozent). Rund 76 Prozent aller 78841 Arbeitslosen in Hamburg sind Hartz-IV-Empfänger.
Unterm Strich sieht die Situation in Hamburgs Stadtteilen allerdings noch düsterer aus. Denn die vom Statistik-Amt ermittelten Zahlen liegen um etwa ein Viertel niedriger als die "echte" Arbeitslosenquote. Grund: Da die Bundesagentur für Arbeit keine Zahlen für einzelne Stadtteile angibt, sondern nur für Bezirke, greift das Statistik-Amt auf eine andere Datenerhebung zurück. Statt sich wie gewöhnlich auf die Zahlen der tatsächlich Erwerbstätigen zu beziehen, wird die Bevölkerung im "erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65" herangezogen. "In unserer Berechnung sind also auch Selbstständige, mithelfende Familienangehörige oder Kranke erfasst. Denn sie alle befinden sich im erwerbsfähigen Alter", so Enno Thiel vom Statistik-Amt.
So kommt in diesem Fall insgesamt eine niedrigere Arbeitslosenquote zustande als tatsächlich besteht. Für das Land Hamburg bedeutet dies: Laut Statistik gibt es eine Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent, in Wirklichkeit liegt sie bei 8,6 Prozent. Für Billbrook bedeutet dies eine tatsächliche Arbeitslosenzahl von gut 18 Prozent.