MOPONews
News

HAMBURGS GRÖSSTE MORDFÄLLE

Das Phantom aus dem Schanzenpark

Selten dauerte die Suche nach dem Mörder so lange wie im Fall der Helga Roberts. 17 Jahre lang tappte die Polizei im Dunklen. Von dem Phantom, das die junge Britin im Schanzenpark vergewaltigt und ermordet hatte, fehlte jede Spur. Der Fall galt als unlösbar. Doch dann stoßen die Ermittler bei einem DNA-Routine-Abgleich auf die Akte von Uwe H., einem minderbemittelten Kinderschänder aus dem AK Ochsenzoll.



Rückblende: Es ist der 9. März 1986 gegen 6.30 Uhr, als Helga Roberts durch den verschneiten Schanzenpark stapft. Mit anderen Austausch-Lehrern war sie auf dem Kiez unterwegs. Seit ein paar Monaten lebt die 22-Jährige in Hamburg. Sie unterrichtet als Praktikantin am Helene-Lange-Gymnasium (Harvestehude) zwölf Stunden in der Woche Englisch. Im Juni will Helga zurück nach Cambridge. Mit der U3 fährt sie von den Landungsbrücken zur Station Sternschanze. Der Weg zu ihrer Wohnung an der Rentzelstraße führt sie durch den Schanzenpark.



Plötzlich packt sie jemand am Hals und zerrt sie ins Gebüsch. Helga Roberts wehrt sich. Sie schlägt um sich, kratzt und beißt. Ihr Peiniger schleift sie in den Waschkeller des Kindertagesheims an der Schröderstiftstraße und stranguliert sein Opfer mit Schals und Krawatten. Dann vergewaltigt er die Engländerin - und lässt sie bewusstlos auf den Fliesen liegen. Bei seiner Flucht löst der Täter die Alarmanlage aus.



Ein Notarzt versucht, die junge Frau zu reanimieren. Ohne Erfolg: 23 Stunden nach der Vergewaltigung stirbt Helga Roberts im Krankenhaus St. Georg.



Die Tat ruft die Hamburger Feministinnen-Szene auf den Plan: Einen Tag nach dem Mord ziehen 600 Frauen mit Fackeln durch die Schanze. Eine ihrer Parolen: "Aus Trauer wird Hass. Aus Hass wird Wut. Zerschlagen wir die Männerbrut!" Und sie meinen es ernst: Zwei Männer, die sich über den Protestzug lustig machen, werden krankenhausreif geprügelt.



Die Ermittlungen erweisen sich als schwierig. Die Mordkommission ist ratlos, vom Täter fehlt jede Spur. Trotz der hohen Belohnung von 10000 Mark und der Fahndun g mit Flugblättern kann der Fall nicht aufgeklärt werden. Dennoch lässt die Polizei die Kleidung des Opfers, die Handtasche und selbst ein Kaugummi und Hautpartikel, die unter Helga Roberts Fingernägeln gefunden wurden, aufbewahren. Denn irgendwann, da sind sich die Ermittler sicher, wird es Möglichkeiten geben, Täter anhand genetischer Spuren zu überführen.



Und tatsächlich: Im Juni 2003 stößt das BKA bei einem Routine-Abgleich von DNA-Material auf das Profil von Uwe H. Die Daten des damals 39-Jährigen sind im System gespeichert: Er ist mehrfach vorbestraft wegen sexueller Nötigung und Kindesmissbrauchs und seit 1998 Insasse des "Haus 18" für psychisch kranke Straftäter in Ochsenzoll - ihn muss Helga Roberts im Todeskampf gekratzt haben. Der genetische Fingerabdruck lässt keine Zweifel. Als ein Kripo-Beamter ihn mit dem Mordvorwurf konfrontiert, streitet Uwe H. ab. "Er hatte Schweißperlen auf der Stirn, seine Hände zitterten", notiert der Polizist nach dem Gespräch.



Zum Prozess am Hamburger Landgericht reisen Helgas Vater Geoffrey Roberts, und ihre Brüder Arnald und Einar als Nebenkläger aus Großbritannien an. Sie wollen sehen, wer der Mann ist, der ihre Helga umgebracht hat.



Uwe H. will sich zum Tatvorwurf nicht äußern ("Ich kann mich an nichts erinnern"). Ein Gutachter bescheinigt ihm eine unterdurchschnittliche Intelligenz und "sexuelle Störungen". In dem Indizienprozess stützen die Richter ihr Urteil "ganz entscheidend" auf die DNA-Analyse. Das Gericht billigt Uwe H. eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit zu und verurteilt ihn am 13. Dezember 2005 zu achteinhalb Jahren Haft. Wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung. Zusätzlich ordnen die Richter eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Der Vorsitzende Richter Claus Rabe: "Er ist für die Allgemeinheit gefährlich."



Für Helgas Vater Geoffrey eine späte Genugtuung: "Jetzt hat sie endlich Gerechtigkeit bekommen." 19 Jahre nach ihrem Tod.





Ende der Serie

Weitere Meldungen News
Das berühmte blaue Ford-Logo

In seiner Not hatte Ford vor sechs Jahren seine Fabriken, seine Modelle und sogar sein Markenzeichen verpfändet, um an frisches Geld heranzukommen.  mehr...

Die Ermittlungen gegen Christian Wulff werden laut einem Medienbericht eingestellt.

Laut einem Medienbericht sind die Ermittlungen gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff abgeschlossen. Derzeit gebe es eine "abschließende Prüfung der Verdachtslage", heißt es.  mehr...

Haben offenbar geheiratet: Bushido und Anna-Maria Lagerblom

Laut Medienberichten hat Rapper Bushido die 29-jährige Anna-Maria Lagerblom geheiratet. Die Beiden sollen sich in Berlin das "Ja"-Wort gegeben haben.  mehr...

Datum:  14.6.2009
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken
Typisch Frau

Der Mai ist da, die Leute heiraten. So mit Mitte zwanzig kriegt die Frau die ersten „Hurra, wir trauen uns“-Einladungen.