Mit seinem Namen verbinden sich Schlagzeilen über Theaterbühnen in Bochum, Hamburg, Berlin oder Wien. Er inszenierte Shakespeare, Ibsen, Fallada und Brecht. Revolutionierte das Theater in Deutschland in den 60er und 70er Jahren. Und schockte - oder begeisterte - sein Publikum mit wilden Inszenierungen und nackten Darstellern. Peter Zadek hat das Nachkriegstheater in Deutschland mit geprägt und zählt zu den bedeutendsten Regisseuren seiner Zeit. In der Nacht zu Donnerstag ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren in einer Hamburger Klinik gestorben.
Zadek wurde 1926 in eine gut-bürgerliche jüdische Familie in Berlin geboren, die 1933 nach London emigrierte. Nach einer Ausbildung zum Regisseur hatte er seinen ersten großen Erfolg 1957 in London mit der Uraufführung von Jean Genets "Der Balkon". 1958 übersiedelte Zadek nach Deutschland und arbeitete zunächst in Ulm und in Bremen. Zadek machte sich einen Namen als junger Regisseur, der gegen Konventionen verstieß und seine Schauspieler improvisieren ließ.
1972 bis 1975 amtierte er als Intendant in Bochum. Hier entdeckte er den inzwischen verstorbenen Schauspieler Ulrich Wildgruber für seine Stücke. Wildgruber spielte fortan in allen Shakespeare-Inszenierungen Zadeks.
In den folgenden Jahren arbeitete Zadek als freier Regisseur an mehreren Bühnen und übernahm 1985 bis 1988 die Intendanz am Hamburger Schauspielhaus. Nicht erst seit dieser Zeit besetzte Zadek bevorzugt Schauspielerin Eva Mattes. Sie stand auch schon 1976 in Zadeks legendärer "Othello"-Inszenierung auf der Bühne: "Das Publikum hat geradezu hasserfüllt reagiert: ,Das ist nicht unser Shakespeare!`", erinnert sich Mattes. "Nach einem halben Jahr sind die Leute dann gepilgert."
Nach Hamburg folgten Arbeiten in Wien, Paris und München. 1992 bis 1995 arbeitete Zadek in der Leitung des Berliner Ensembles und brachte hier mit "Die Jasager und der Neinsager" sein erstes Brecht-Stück auf die Bühne.
Im letzten Jahrzehnt hat Zadek, Mitglied der Berliner Akademie der Künste, unter anderem Tschechows "Der Kirschgarten" sowie Shakespeares "Hamlet" und "Richard III" inszeniert. Noch im Februar feierte der mit zahlreichen Preisen und Ehrungen bedachte Regisseur Erfolge am Schauspielhaus Zürich. In Hamburg hat Zadek zuletzt im April 2008 mit dem Pirandello-Stück "Nackt" für Furore gesorgt. Nun ist nach Kollege Jürgen Gosch und Tanz-Choreografin Pina Bausch ein weiterer ganz Großer der Theaterwelt abgetreten.