Blase war bei der Rellinger Traditionsfirma „Autoflug“ angestellt, die auch an die Bundeswehr liefert. Die Gewerkschaft hat jetzt sogar Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg um Hilfe gebeten. Ab heute wird der Fall vor dem Arbeitsgericht Elmshorn verhandelt.
Maik Blase erinnert sich noch genau, wann er seine Frau Aiwu Wang kennengelernt hat: „Es war der 15. Oktober 2007 um 15.30 Uhr.“ Der Hamburger war als Tourist nach Hongkong gereist, hatte einen Tagesausflug aufs Festland nach Shenzehn unternommen und bat die hübsche Passantin, ein Foto von ihm zu machen. Der Funke sprang über.
Gut zwei Jahre lang verbrachte Maik Blase jeden Urlaub bei seiner Freundin. Häufige Chinareisen – das kann für einen Mitarbeiter eines Rüstungszulieferers heikel sein, das war Blase bewusst: „Ich habe sofort gefragt, ob es da Sicherheitsbedenken gebe. Mein Vorgesetzter schickte mich zur Sicherheitsbeauftragten, die sagte, meine Tätigkeit sei nicht sicherheitsrelevant und wünschte mir sogar eine schöne Reise.“
Die Rellinger Firma stellt unter anderem Schleudersitze für die Bundeswehr her. Seit 2006 ist Maik Blase als Leiharbeiter für „Autoflug“ tätig, Ende 2009 bietet die Firma ihm eine Festanstellung in der Musterprüfung an. „Sie wussten, dass ich im Dezember 2009 in China heiraten würde, aber das war kein Problem“, sagt er.
Am 1. Februar 2010 beginnt die Festanstellung, nur vier Wochen später der Schock: „Der Personalchef sagte, er hätte eine schreckliche Mitteilung. Sie müssten mich freistellen, weil ich durch meine Ehefrau ein Sicherheitsrisiko sei. Mich könnte der chinesische Geheimdienst anwerben, außerdem sei ich erpressbar, weil meine Ehefrau entführt werden könnte.“ Aiwu Wang und ihre achtjährige Tochter leben noch in China.
Maik Blase steht unter Schock. Nie habe sich in China jemand für seinen Job interessiert, sagt er. Im Juni folgt die formale Kündigung, nun plötzlich „aus betrieblichen Gründen“. Sein Anwalt Michael Tsalaganides nennt den Rauswurf „verfassungswidrig“: „Mein Mandant hat immer mit offenen Karten gespielt.“
Der IG-Metall-Bevollmächtigte Uwe Zabel hat sich nun in einem persönlichen Brief an Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg (CDU) gewandt: „Zu einem so krassen Verfassungsbruch kann der Minister nicht schweigen. Die Forderung, mit bestimmten Staatsangehörigen keine Ehen einzugehen, ist eine nicht hinnehmbare Diskriminierung.“
Maik Blase kämpft nun vor dem Arbeitsgericht um seine Wiedereinstellung. Heute ist der Gütetermin. Er braucht einen festen Job, um seine Ehefrau und deren Tochter nach Deutschland holen zu dürfen. Seit April hat er sie nicht mehr gesehen.