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HAMBURG DISKUTIERT

Deutsch-Pflicht auf dem Schulhof?

Ein schrilles Klingeln kündigt den Schulschluss an. In kleinen Grüppchen gehen Jungen und Mädchen der Gesamtschule Kirchdorf auf den Pausenhof. Von allen Seiten ertönt ein babylonisches Stimmengewirr. Einige Schüler sprechen auf türkisch Hausaufgaben ab, andere rufen Freunden quer durch die Menge arabische Grußworte zu und Mädchen summen persische Lieder vor sich hin. Alltag an Hamburgs Schulen - doch wie lange noch? Seit an einer Schule in Berlin-Kreuzberg überall Deutschpflicht herrscht, wird auch in Hamburg heiß diskutiert.



An der Gesamtschule in Hamburgs Süden werden mindestens zehn verschiedene Sprachen gesprochen. Und das ist für Hamburg nicht viel. Auf der Veddel sind es mehr als 20. Kirchdorf-Schulleiter Ernst Lobischer: "85 bis 90 Prozent unserer Schüler haben nicht deutsch als Muttersprache." Und in der Mittelstufe sei das ein echtes Problem. "Wir haben dort vor allem Schüler aus Unterschichten, die sprechen ganz schlecht deutsch." Endungen, Artikel, Vokabeln - überall hapert es. "Diese Schüler sprechen nicht einmal ihre Muttersprache Türkisch richtig." Deshalb ist auch Lobischer dafür, dass auf dem Pausenhof so viel deutsch wie möglich gesprochen wird. Aber: "Von einer Hausordnung, die Deutschpflicht vorgibt, halte ich nichts." Mit Zwangsmaßnahmen sei ein mehr an deutscher Sprache einfach nicht umzusetzen. "Ich wüsste auch nicht, wer das kontrollieren soll."



Auf dem Schulhof gehen die Meinungen auseinander. Die aufgeweckte Princela (14) aus Ghana findet, Berlin sei ein prima Vorbild. "Die Türken an unserer Schule sprechen immer türkisch. Wenn sie das nicht mehr dürften, so würden sie auch besser deutsch können." Ihre Mitschülerin Mergine (15) aus dem Kosovo sieht das ganz anders: "Ich spreche auch in der Schule manchmal in meiner Muttersprache. Da spricht doch nichts dagegen."



Simon Müller vom Gymnasium Kirchdorf-Wilhelmsburg würde die Deutschpflicht gut finden. "Ich habe mich ausgegrenzt gefühlt, weil ich die türkischen Mitschüler nicht verstanden habe." Er hat mittlerweile eine eigene Lösung gefunden: "Ich habe türkisch gelernt."



Zu Problemen führen fremde Sprachen vor allem auf dem Schulhof, wenn es zu Streit zwischen Schülern kommt und der Lehrer nicht einmal verstehen kann, worum es geht. Matthias Oehlrich vom Deutschen Lehrerverband sieht das Problem differenziert: "Wer in einer fremden Sprache spricht, grenzt andere aus." Aber ein Deutschgebot an Schulen würde ein völlig falsches Signal setzen und könnte sogar kontraproduktiv für mehr Integration sein.



Robert Heinemann, der schulpolitische Sprecher der CDU, begrüßt das Berliner Beispiel. "Wenn Lehrer, Eltern und Schüler an einer Hamburger Schule sich für ein Deutschgebot entscheiden, dann begrüße ich das." Schließlich führe es auch zu Aggressionen, wenn mehrere Schüler in einer fremden Sprache tuschelten. "Das hat auch nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Bei unseren vielen Sprachen ist das Opfer ja auch gar nicht unbedingt ein deutsches Kind."



Heinemann hält aber nichts davon, den Schulen seitens der Stadt eine Regelung von oben zu verordnen. Genauso sieht das Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Sie betont, dass Hamburg und Berlin verschieden sind: "Wir haben eine viel gemischtere Schülerschaft als Berlin. Deutsch ist hier ohnehin die dominierende Sprache auf den Schulhöfen."

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Datum:  25.1.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“