Am 28. September 2008 hatte Moritz Möhring (25) seinen ersten Tag als ausgelernter Elefantenpfleger. Und dieser Tag sollte es in sich haben, denn Chef Thorsten Köhrmann schickte ihn zum ersten Mal völlig allein mit den Dickhäutern auf die Anlage.
"Ich war sehr aufgeregt und nervös, weil ich wusste, was für eine Verantwortung da allein auf meinen Schultern lag", gesteht der junge Mann im Rückblick. Die Kühe Yashoda und Lai Sinh mit ihren Kälbern Kandy und Shila waren seine Schutzbefohlenen.
Während die erwachsenen Tiere bei den Besuchern standen und sich füttern ließen, spielten die beiden Kleinen etwas abseits. Alles verlief ruhig und normal - zumindest für einige Zeit. Dann passierte, was täglich mehrmals zu beobachten ist: Die Elefanten köttelten. Natürlich gehört es zu den Aufgaben eines Elefantenpflegers, die Reste der Verdauung zu beseitigen.
Moritz ging zum Tor, öffnete es mit einem Blick über die Schulter. Alles ruhig bei den Vieren. "Ich verließ etwas nervös die Anlage, holte Schubkarre und Schaufel und ging zurück. Ich stellte die Schubkarre kurz ab, drehte mich weg, um das Tor zu schließen. Genau in diesem Augenblick schlich sich Kandy unbemerkt heran."
Das damals fünf Jahre alte Elefantenmädchen schnappte sich die Schaufel von der Karre und stolzierte mit ihrer Trophäe im Rüssel davon. "Ich war zuerst total perplex und wusste nicht, wie ich reagieren sollte", gesteht der Pfleger heute.
Bevor er sich dem Problem "Kandy und die Schaufel" widmete, fuhr er die Karre wieder aus dem Gehege. Wie sollte er Kandy dazu bringen, ihm ihre Trophäe zurückzugeben? Locken und gute Worte nutzten nichts. Die junge Elefantin ahnte, dass er ihr das neue Spielzeug abnehmen wollte.
Wie überredet ein Fachmann einen Elefanten? Mit etwas Leckerem! Etwas, was es absolut selten gibt: Brot. Also holte Möhring einen Laib. Unwiderstehlich für Kandy. Im Austausch gegen die Leckerei war sie dann endlich auch bereit, die Schaufel herzugeben. Erleichterung.
"Ich schaute mich um, ob meine Kollegen etwas mitbekommen hatte. Dem war nicht so. Nach 60 Minuten - einer gefühlten Ewigkeit - kam Thorsten Köhrmann zur Ablösung. ´Na, ist alles gut gelaufen?´ ´Natürlich´, antwortete ich. Das waren wohl die längsten 60 Minuten meines Lebens."