Da hat der Senat wohl ein dickes Problem: Die Entwicklung der HafenCity und der Bau des Containerterminals Altenwerder werden viel teurer als ursprünglich geplant! Jetzt muss die Stadt mehr als 80 Millionen Euro neue Kredite aufnehmen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der GAL hervor, die der MOPO vorliegt.
Allein 22 Millionen Euro mehr kostet die Stadt der High-Tech-Terminal in Altenwerder, wo ab Ende der letzten Ausbaustufe Mitte 2007 jährlich 2,8 Millionen Container bewegt werden sollen. Ursprünglich war eine Summe von 298 Millionen Euro anvisiert, die die Stadt in die Infrastruktur des von der Hafengesellschaft HHLA betriebenen Terminals pumpen wollte. Jetzt räumt der Senat ein: "Die einmaligen Gesamtausgaben für das Vorhaben werden sich insgesamt auf 320,6 Millionen Euro (...) belaufen." Warum die Kostenexplosion? Davon könne keine Rede sein, beschwichtigt Christiane Kuhrt, Sprecherin der zuständigen Port Authority. Tatsächlich habe es interne Kostenverschiebungen gegeben - so seien die Kosten für Ingenieurleistungen erst jetzt hinzugerechnet worden.
Wie auch immer - es kommt noch dicker. Denn der Ausbau von Altenwerder sollte vor allem aus dem Verkauf von Grundstücken in der HafenCity finanziert werden. Die laufen aber auch viel schleppender als geplant. So kamen 2004 nur 5,6 statt der eigentlich vorgesehenen 65,6 Millionen Euro rein. Und auch für 2005 liege die Stadt "unterhalb des Planansatzes" von 23,5 Millionen Euro, so der Senat.
"Höhere Baukosten für den Containerterminal und verzögert eingehende Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen in der HafenCity - da tut sich eine Schere auf, die wegen der zusätzlichen Kreditkosten noch weitere Belastungen mit sich bringt", warnt GAL-Haushaltsexperte Willfried Maier. Jeder fehlende Euro aus den Grundstücksverkäufen müsse alternativ bei den Banken geliehen werden. Und das kann teuer werden. GALier Maier: "Bis 2008 werden sich erhebliche überplanmäßige Zinskosten aufsummiert haben."
Kein gutes Omen für die Zukunft: Erst nach den letzten Grundstücksverkäufen in zehn Jahren werde man wissen, "ob ein Überschuss oder ein Defizit unter dem Projekt HafenCity und Altenwerder stehen wird", so der GAL-Finanzexperte.
Entwickelt sich das Leuchtturmprojekt HafenCity zum Bumerang? HafenCity-Geschäftsführer Jürgen Bruns-Berentelg sieht das völlig anders. Er glaubt an den Erfolg, ist sicher, hochkarätige Investoren zu finden (s. Interview). Doch warum die schleppenden Grundstücksverkäufe? "Vielleicht waren die Prognosen zu optimistisch. Der Markt ist eben nicht so leicht kalkulierbar", so ein Insider aus der Immobilienbranche zur MOPO.