Die Zahl der Architekten, Unternehmer, Ärzte und Juristen dürfte am Sonnabend in der City erheblich höher sein als an anderen Wochenenden. Denn die Primarschul-Gegner haben zu einer Demonstration unter dem Motto "Hamburger Eltern für gute Schulen" aufgerufen. Und viele Eltern gerade aus den feineren Regionen wie Blankenese und den Walddörfern gehen zum ersten Mal für ihre Ziele auf die Straße. Ob wie angemeldet 1000 Reformgegner mobilisiert werden oder gar 10000 oder 20000, das vermag bisher niemand einzuschätzen.
- Wer organisiert die Demo?
Die Organisatoren nennen sich Netzwerk aller Schulreformgegner. Bisher ist ihnen der erhoffte Schulterschluss allerdings nicht gelungen, es handelt sich fast ausschließlich um Gymnasial-Vertreter. Die Eltern-Initiative "Networking 22" mit Eltern vom Christianeum und anderen Gymnasien ist das Kernteam der Planer. Sie stehen der Initiative "Wir wollen lernen" nah. Unterstützung kommt vom Deutschen Lehrerverband Hamburg. Sprechen werden am Sonnabend Vertreter von FDP und die SPD. Dass weder eine große Partei noch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Organisator ist, erschwert die Mobilisierung.
- Wer ist Prominentes dabei? Neben Schauspieler Sky Du Mont, der auch als Redner auftritt, sind PR-Profi Alexandra von Rehlingen, Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein und Flora-Besitzer Klausmartin Kretschmer dabei.
- Was sind die Ziele? Die Einführung der Primarschule soll verhindert werden. "Sie würde das gesamte bisherige Schulsystem zerstören", so die Organisatoren. Das Reformtempo müsse zudem gebremst werden, und das Elternwahlrecht für die weiterführenden Schulen dürfe nicht abgeschafft werden.
- Demonstrieren Vertreter aller Schulformen? Zu den Aktiven gehören vor allem Schüler, Eltern und Lehrer der 59 Gymnasien. Mit einer hohen Beteiligung von Gesamtschulen oder Grundschulen wird von Insidern nicht gerechnet. Die Max-Brauer-Schule etwa hatte zuvor Pläne für eine eigene Bildungs-Demo der Gesamtschulen gestrichen - aus Angst, dass der Eindruck entsteht, es gebe einen gemeinsamen Protest mit den Gymnasien-Vertretern der Initiative "Wir wollen lernen". Viele Grundschul-Eltern sind zudem noch nicht ausreichend informiert und politisiert, um auf die Straße zu gehen.
- Warum sind weder die Kammern noch die GEW dabei? Sowohl die größte Lehrergewerkschaft als auch Eltern-, Schüler- und Lehrerkammer haben sich für die Primarschule ausgesprochen und kritisieren nur Teile der Umsetzung. Sigrid Strauß (GEW): "Wir sind für längeres gemeinsames Lernen, und die Initiatoren der Demonstration wollen eigentlich alles beim Alten belassen." Ebenso halten es die Gesamtschulen: "Wir kommen von der entgegengesetzten Richtung und lassen uns nicht vereinnahmen."
- Wie viele zogen bei früheren Bildungs-Demos mit? Kurios: Die letzte große Bildungs-Demonstration war 2002 gegen den FDP-Bildungssenator Rudolf Lange. Diesmal gehört die FPD zu den Demonstranten. Lange hatte 350 Lehrerstellen gestrichen und das Lehrerarbeitszeitmodell eingeführt. Es kamen 50000 Menschen auf den Rathausmarkt.