Den lieben langen Tag nur bärtige Kerle und vollverhüllte Frauen sehen, während man in verdorrten Bergen gegen die Taliban kämpft – so was bringt Frust. Weshalb Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den deutschen Soldaten in Afghanistan mal was Gutes tun wollte. Doch dass der Verteidigungsminister seine vorzeigbare Gattin Stephanie und den unvermeidlichen TV-Gastgeber Johannes B. Kerner mitnahm, hat der "Lichtgestalt der deutschen Politik" (so sieht Thomas Gottschalk das) jetzt ein PR-Debakel beschert.
Dabei war alles filmreif inszeniert: Lässig stieg Guttenberg aus dem Flugzeug, den Helm in der Hand, schaut durch seine Sonnenbrille in die Ferne. An seiner Seite die hübsche blonde Gattin. Bilder, die eher an "Top Gun" erinnern als an den Truppenbesuch eines deutschen Ministers .
Guttenbergs PR-Maschine überließ nichts dem Zufall. Ob ein paar Zärtlichkeiten mit Ehefrau Stephanie vor dem Truppentransporter, ob lässig im Schneidersitz auf dem Boden eines Bundeswehrflugzeugs in einer Diskussion mit Journalisten, ob in vorderster Front im Gespräch mit schwer bewaffneten Soldaten – jede Szene wurde kalkuliert, jeder Auftritt im Hinblick auf Medienwirksamkeit geplant. Auf einen reibungslosen und strahlenden Durchmarsch Richtung Kanzleramt.
Für die Opposition ist der Fall klar: "An Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten", wettert Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Und Kritik kommt selbst vom Koalitionspartner. FDP-Verteidigungspolitiker Burkhardt Müller-Sönksen: "Es bleibt das Bild eines hochherrschaftlichen Auftretens nach dem Motto: Baron-Familie bei der Truppe."
Doch die Soldaten an der Front jubeln. Und die Beliebtheit Guttenbergs ist ungebrochen. Laut n-tv-Umfrage halten 78 Prozent die Kritik an der Kundus-Soap für falsch. Gestern blieb Guttenberg denn auch stur: Seine Stephanie soll auch künftig mit.
Doch es ist die erste Unsicherheit eines Politikers, der bislang fast schon überlebensgroß durch die Niederungen deutscher Politik schritt. Schließlich haben die Guttenbergs, was die konservativen Medien händeringend suchen: Sie sind jung, clever und sie sehen gut aus. Dass sie sich das Kostüm mit ihrem Verein "Innocence in Danger" bekleckert, dass er bislang kaum handfeste Erfolge vorzuweisen hat – offenbar egal, Hauptsache, die beiden strahlen sich ins Kanzleramt. (rd/jd)