Die Story: Als Dorian Gray mit kaum 20 Jahren im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts eintrifft, stürzt sich die bessere Gesellschaft geradezu auf den schönen, naiven Jüngling. Lord Henry Wotton, ein scharfzüngiges Lästermaul, nimmt Dorian unter seine Fittiche und macht ihm ein ausschweifendes Leben schmackhaft. Auch der Maler Basil Hallward buhlt um die Gunst des Beaus und porträtiert ihn in seiner ganzen Pracht. Die Antwort auf Wottons Frage, ob Dorian seine Seele für ewige Jugendlichkeit gäbe, fällt dem inzwischen zum eitlen Dandy gewordenen Jung-Lebemann nicht schwer ...
Die Schauspieler: Der hübsche Ben Barnes ("Die Chroniken von Narnia") ist zumindest optisch eine Idealbesetzung als nicht alternder Dorian. Mimisch lässt ihm das Drehbuch leider wenig Chancen, das Innenleben seiner Figur deutlich zu machen. Colin Firth hingegen als zynischer Lord Wotton, der ständig Bonmots zum Besten gibt, ist großartig und hätte gerne in mehr Szenen präsent sein dürfen.
Der Regisseur: Nach "Ein perfekter Ehemann" und "Ernst sein ist alles" hat sich Oliver Parker zum dritten Mal an eine Oscar-Wilde-Verfilmung gemacht. Und was ist "Das Bildnis des Dorian Gray" angesichts der heutigen Flut von Botoxspritzen und Schönheitsoperationen doch für ein dankbares Thema! Aber anstatt sich voll auf die Psyche der Charaktere zu konzentrieren, schwelgt Parker in prächtigen Dekors und teils albernen Effekten, Drehbuch-Debütant Toby Finlay liefert dazu eine Geschichte, der es an Modernität und Tiefe mangelt (der moralische Verfall Dorian Grays interessiert ihn wenig, und Bordellbesuche, Alkohol und Drogen sind so schockierend nun auch wieder nicht). Gepflegte Unterhaltung bietet der Streifen aber allemal.