Rund 5000 Hamburger haben nach Gewerkschaftsangaben an der zentralen DGB-Maikundgebung auf dem Großneumarkt teilgenommen. Motto der Veranstaltung: "Eure Würde ist unser Maß".
Hüpfburg, Kinderschminken, Bierstände - das Rahmenprogramm war familienfreundlich. Die Teilnehmer: Junge Familien und viele Mitglieder der Altersklasse 50 plus. Junge Leute ab 20 - kaum zu finden. "Das ist traurig", sagt Paulo Pinto (31), einer der wenigen jungen Gewerkschafter, "aber es ist vielen Menschen nicht bewusst, dass es uns nicht so gut geht, wie man uns immer weismachen will."
Auch Thomas Neitzel (43), der mit Ehefrau und vier Kindern gekommen war, kritisierte die Entpolitisierung der Gesellschaft: "Die meisten Menschen machen sich nicht klar, dass zum Beispiel jede Kaufentscheidung politisch ist, weil sie über Arbeitsplätze entscheidet." Ob die Mai-Demo überholt ist? Nein, sagt er. "Das ist ja der einzige Tag, an dem man mal Flagge zeigen kann für die Arbeitnehmerrechte. Und den Kindern zeigen, dass das Demonstrieren zu unseren Grundrechten dazugehört."
Auf der Bühne forderte DGB-Landeschef Erhard Pumm das Recht auf ein existenzsicherndes Einkommen durch Tarifvertrag und einen gesetzlichen Mindestlohn. Pumm ging auch auf den seit elf Wochen dauernden Streik im öffentlichen Dienst ein und kritisierte in diesem Zusammenhang die Medien. Diese hätten das Anliegen der Streikenden wochenlang ignoriert, einen "Fehler" wie bei der gescheiterten Sperrung des Elbtunnels aber groß thematisiert.
Für kurze Irritation bei einigen Zuhörern sorgte der Redner "Dr. Jedermann" von der "Elite und Rendite GmbH", angeblich von der Handelskammer geschickt. Er wetterte gegen die ständigen "freien Tage", rief die Gewerkschafter auf, sich ein Beispiel an den Chinesen zu nehmen. Ein Großkapitalist? Nein, Schauspieler Rolf Becker in einer satirischen Rolle.