Die Hände steckten in Handschellen. Die Füße waren mit Band an Kopfstützen befestigt, und um den Hals trug die spärlich bekleidete Dame ein Hundehalsband: So fuhr eine 43-Jährige im Kofferraum eines Volvos quer durch Hamburg und sorgte für einen dramatischen Großeinsatz der Polizei.
IT-Experte Rene Grassau stand nachmittags in seinem Toyota Prius am Kaltenkircher Platz auf der Stresemannstraße im Stau, als der Fahrer eines schwarzen Volvo V70 neben ihm plötzlich ausstieg und die Heckklappe öffnete. "Ich dachte, der holt einen Aktenkoffer raus, stattdessen fummelte der da an einer geknebelten Frau rum, die auf der Ladefläche lag. Ich dachte ,Scheiße! Mafia!` und duckte mich", so der 34-Jährige. Der IT-Berater rief sofort die Polizei und verfolgte den Volvo weiter über die Stresemannstraße.
"Ich hab ganz schön gezittert und gefürchtet, dass der mich abknallt, wenn er mitbekommt, dass ich ihm folge", so Rene Grassau. An der Sternbrücke raste der 34-Jährige sogar bei Rot über eine Ampel, um dranzubleiben.
Showdown dann vor der Polizeiwache an der Ecke Stresemannstraße/Lerchenstraße: Mehrere Peterwagen rasten mit Blaulicht heran, stoppten den Volvo. Erst waren die Ordnungshüter noch cool, baten den Fahrer auszusteigen. Doch als die Beamten die Klappe öffneten und die gefesselte Frau unter der Abdeckung sahen, zogen sie ihre Pistolen. Dem Volvo-Fahrer (54) wurden Handschellen angelegt, dafür wurden sie ihr - dem mutmaßlichen Verbrechensopfer - abgenommen. Die Frau war darüber aber gar nicht glücklich, schimpfte nur: "Davon darf mein Mann nichts erfahren!"
Und dann ermittelten die Polizisten eine unglaubliche Geschichte: "Täter" und "Opfer" aus Nordrhein-Westfalen gehören einer Gruppe von 24 Sado-Maso-Fans an. Zwölf wollten sich zum Gruppensex in einem Hamburger Luxushotel treffen. Um in Stimmung zu kommen, ließ sich die Frau fesseln und ins Auto stecken. Dann kam dem Paar der Zeuge in die Quere. Von der Polizei gibts nun die Quittung für die Sado-Maso-Jünger: Gut 400 Euro kostet der Einsatz, dazu kommt Verwarngeld wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses".