Der Heilsbringer heißt Ole, kommt um kurz vor neun und lässt die älteren Damen endlich glückselig lächeln. „Wir haben die Wahl gewonnen“, ruft Ole von Beust in die Fischauktionshalle. „Kommunisten und Linksradikale haben keine Chance, in Hamburg zu bestimmen!“ Für die Attacke auf den Klassenfeind gibt es frenetischen Jubel. Dann war Ole runter von der Bühne. Und über das Kopfsteinpflaster in der Fischauktionshalle geisterte gestern Abend nur noch ein Thema: Schwarz-Grün.
Dabei war die Hoffnung auf ein Bündnis mit der FDP so groß. Den größten Jubel bekommt um 18 Uhr nicht die CDU, sondern die FDP für ihre 5,0 Prozent. Doch sofort gibt es über den orangenen Ole-Schals nachdenklich Kopfschütteln. Es reicht nicht, flüstert man sich zu. Und als die FDP dann auch noch unter die Fünf-Prozent-Hürde fällt, ist klar: Die behagliche Zeit im Rathaus ist vorbei!
Ein Bündnis mit der GAL? Vereinzelt hagelt es Buhrufe, als die mögliche schwarz-grüne Mehrheit über die Großbildschirme flimmerte. Aber: Hauptsache Ole von Beust bleibt an der Macht. „Ich habe kein Problem mit der GAL. Weder persönlich noch programmatisch. Die haben tolle Ideen“, so Robert Heinemann, der schulpolitische Sprecher. „Ole hat gesagt, es gibt keine Berührungsängste“, so Innenstaatsrat Christoph Ahlhaus. „In der Innenpolitik wär’s nicht leicht, aber möglich.“
So sieht das auch die Basis. Tobias Braun ist einer derjenigen, die in der ersten Reihe stehen und mit großen Ole-Schildern vor den Kameras wackeln. „Ich bin nicht glücklich drüber. Aber wir müssen ja jetzt mit der GAL.“ An eine große Koalition will man zwischen Bier und Bratwurst möglichst keinen Gedanken verschwenden. Stillstand. Nie mit den Sozis, so die Kommentare.
Bis auf die Parteiführung. Die hält sich alles offen. Ob Innensenator Nagel oder Bausenator Gedaschko – man will abwarten. Schließlich liegen sich CDU und SPD inhaltlich ja auch sehr viel näher. Freytag: „Wir werden jetzt mit allen Gespräche führen. Es geht um Ergebnisse. Wir haben keine Festlegung.“ Doch es gibt am Hafen schon erste Planspiele über mögliche grüne Senatorenposten. Zum Beispiel Schule, Justiz, Umwelt und/oder Bau, vielleicht sogar Hochschule.
Für den Star des Abends sind solche Gedankenspiele nebensächlich. Sichtlich entspannt schiebt sich Ole von Beust im Schneckentempo durch die begeisterte Menge und verteilt Autogramme und Schulterklopfer. Ein Stockwerk über ihm ist ein anderer genauso glücklich: Innensenator Udo Nagel zündet sich auf den Sieg genüsslich ein Pfeifchen an. Denn das Rauchen war auf der CDU-Wahlparty erlaubt. Nagel: „Ich habe das aber nicht bestimmt.“