Für die einen ist es ein Spionage-Instrument, für die anderen eine reizvolle Ergänzung zum Online-Atlas Google Maps: Street View, die realistische Darstellung ganzer Städte aus der Straßenperspektive. Was in den USA, Frankreich und anderen Ländern schon lange verfügbar ist, soll schon Ende des Jahres auch in Hamburg und 19 anderen Städten. Doch Datenschützer fühlen sich überrumpelt.
Was zeigt Street View? Jahrelang sind Kamerafahrzeuge durch Deutschland gefahren und haben Straßenzüge abfotografiert. Die 20 größten Städte sollen noch dieses Jahr zu sehen sein. Gesichter von Passanten und Autokennzeichen werden unkenntlich gemacht. Das soll auch bei Hausfassaden möglich sein.
Warum ist Street View so umstritten? Da die Kameras in etwa 2,50 Metern Höhe auf den Autodächern angebracht sind, können sie auch über Zäune hinweg fotografieren. Viele Bürger befürchten, Kriminelle könnten die Fotos nutzen, um Einbrüche vorzubereiten. Als bekannt wurde, dass die Autos auch WLAN-Daten registrieren, brachte das Google eine Strafanzeige ein.
Was soll Street View bringen? Der Dienst soll virtuelle Reisen durch die Welt ermöglichen oder bei Urlaubsvorbereitungen helfen. In welcher Gegend das Hotel liegt, lässt sich so im Vorfeld klären.
Was kritisieren die Datenschützer? Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar fühlt sich überrumpelt: Die Ankündigung des Online-Tools, mit dem Bürger gegen die Veröffentlichung von Bildern bei Street View Einspruch erheben können, kam ihm zu plötzlich. „Wie das Widerspruchsverfahren genau funktioniert, hat Google noch nicht festgelegt“, so Caspar zur MOPO. „Wir haben keine Angaben darüber, was mit den Daten der Widersprechenden passiert.“
Außerdem bemängelt er das Fehlen einer Hotline für Bürger. Die Frist von vier Wochen ist ihm ebenso wie dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar zu kurz. Thorsten Bullerdiek vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund hält den Start für verfrüht, da immer noch eine Rechtsgrundlage fehle, um Street View zu überwachen.
Was sagt Google zu den Vorwürfen? „Die Daten dienen der Bearbeitung von Widersprüchen“, soGoogle-Sprecherin Lena Wagner, „und werden für nichts anderes verwendet.“ Da alle Widersprüche vor dem Street-View-Start im Herbst bearbeitet sein sollen, müsse man nach einer gewissen Frist das Tool schließen. Die nachträgliche Unkenntlichmachung sei aber weiterhin möglich. (tst)
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