Berlin - In den laufenden Tarifverhandlungen haben am Freitag tausende Ärzte mit bundesweiten Warnstreiks den Druck auf die Länder verstärkt. Alleine an den nordrhein-westfälischen Universitätskliniken protestierten 2000 Mediziner in Pausen oder ihrer Freizeit gegen die unnachgiebige Haltung der Länder.
Das teilte ein Sprecher der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Berlin mit. Insgesamt habe es Warnstreiks an rund 20 Universitäts- und Landeskliniken bundesweit gegeben.
Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, kritisierte im Deutschlandradio Kultur die 30- prozentige Lohnforderung der Ärzte als «völlig abwegig» und warnte vor steigenden Kassenbeiträgen. Eine rasche Einigung sei nicht zu erwarten. Der Marburger-Bund-Sprecher sagte: «Unsere Forderung 30 Prozent steht. Aber wie man in Tarifverhandlungen hineingeht, so geht man niemals raus.» Von der TdL erwarteten die Ärzte bei der nächsten Verhandlungsrunde am 6. Dezember in Berlin klare Signale, dass sie an einem Abschluss interessiert ist. Wie am Großkrankenhaus Charité in Berlin könnten die Ärzte auch an anderen Kliniken den Regelbetrieb für Tage ruhen lassen.
Der erste Streik von Berliner Charité-Ärzten seit der Wiedervereinigung ging am Freitag mit einem Protestmarsch zu Ende. Seit Montag hatten rund 2000 Mediziner des Universitätsklinikums für bessere Arbeitsbedingungen und bezahlte Überstunden demonstriert. «Noch können wir zwar nicht von konkreten Erfolgen sprechen, aber erste, sehr vorsichtige Annäherungen sind zu beobachten», sagte Oliver Peters von der Charité-Ärzteinitiative. Bereits Anfang kommender Woche sei ein erstes Treffen mit der Charité vereinbart.
Unterdessen einigen sich die 24 deutschen Helios Kliniken und die Gewerkschaft ver.di auf einen Tarifvertrag, der bereits vom 1. Januar 2006 an Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit behandelt. Die Bundesregierung hatte den Krankenhäusern trotz Ärztewiderstands eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2007 gewährt.