Berlin - Die privaten Krankenversicherer in Deutschland wehren sich heftig gegen Pläne der großen Koalition, ihre mehr als acht Millionen Mitglieder in den vorgesehenen Gesundheitsfonds einzubeziehen. Privatversicherte würden doppelt belastet und dadurch «unverhältnismäßig benachteiligt».
Das sagte der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Krankenversicherer, DKV-Chef Günter Dibbern, dem Berliner «Tagesspiegel» (Mittwoch). Nach internen Berechnungen der Privatversicherungen müssten ihre Mitglieder bis zu 400 Euro monatlich mehr bezahlen.
Die 16 Unterhändler von Union und SPD wollen heute (Mittwoch) in Berlin ihre Beratungen über die künftige Finanzierung des Gesundheitswesens fortsetzen. Umstritten ist, wie weit die privaten Krankenversicherungen einbezogen werden sollen. Die SPD will auch Privatversicherte in den von der CDU vorgeschlagenen Gesundheitsfonds einzahlen lassen. In der CDU gibt es dagegen Widerstand. Die Koalition will bis zur Sommerpause Eckpunkte für die Gesundheitsreform vorlegen.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch): «Ohne eine Einbeziehung der Privatversicherten sollten wir uns jede weitere Diskussion um den Fonds sparen.» Er widersprach CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Dieser hatte gesagt, die Privatversicherer unterstützten die gesetzlichen Krankenkassen bereits mit neun Milliarden Euro.
Nach Lauterbachs Ansicht ist es umgekehrt: Die Praxiseinrichtung der Ärzte und die Ausstattung der Kliniken würde weitgehend über die Einnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Damit schüfen die gesetzlichen Kassen die Voraussetzung, dass die Mediziner überhaupt Privatpatienten behandeln können. «Die PKV lebt im Grund parasitär von den gesetzlichen Kassen», sagte Lauterbach.
Gegen den Gesundheitsfonds wandte sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun. Mit dem Fondsmodell im Gesundheitswesen wolle die Regierung die Probleme «über weitere Belastungen von Bürgern und Betrieben lösen, aber nicht über mehr Effizienz im System», sagte er dem «,Hamburger Abendblatt» (Mittwoch).
Er schlug stattdessen vor, ambulante Arztbesuche in eine private Extra-Versicherung auszugliedern. Das könne nicht nur enorm den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen stärken. Gleichzeitig würden die Versicherten viel mehr Eigenverantwortung lernen. «Wer häufig zum Arzt geht, weil er ungesund lebt oder weil er einfach den Arztbesuch als Sozialkontakt nutzt, für den würde es teurer», sagte Braun.