Berlin - Gesundheits- und Pharmaexperten rechnen damit, dass die Zulassung von Apotheken-Filialen wie die des Versandhändlers DocMorris in Deutschland zu einer Öffnung des Apothekenmarktes und zu einer Kostenentlastung für Krankenkassen und Patienten führt.
Das Landgericht Saarbrücken hatte entschieden, dass DocMorris seine erste deutsche Filiale in Saarbrücken vorerst weiter betreiben darf.
Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD), sagte der «Berliner Zeitung» (Donnerstag): «Die Richterentscheidung ermöglicht den Patienten, die genau wissen, was sie brauchen, eine kostengünstigere Arzneimittelversorgung. Das ist gut für zum Beispiel chronisch kranke Menschen und gut für alle Versicherten weil es Geld spart und für mehr Wettbewerb sorgt.» Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach begrüßte das Gerichtsurteil: «Die Aufhebung des Mehr- und Fremdbesitzverbots wird zu einer besseren Versorgung der Patienten und mittelfristig zu Einsparungen von mindestens einer Milliarde Euro führen.»
Bislang gilt in Deutschland die Regel, dass Kapitalgesellschaften keine Apotheken betreiben dürfen und ein Apotheker maximal drei Filialen haben darf. Der Pharmaexperte Gerd Glaeske, Mitglied des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen, betonte in der Zeitung, dass man mit Apothekenketten eine Gegenmacht zur Pharmaindustrie einerseits und zu den Krankenkassen andererseits erhalte: «Apothekenketten können helfen, dem Gesundheitswesen Milliardenbeträge zu sparen.»