Warschau - Unter Beteiligung westeuropäischer Politiker haben mehr als 3000 Homosexuelle in Warschau für Toleranz und Gleichberechtigung demonstriert. Unter anderem nahmen die deutsche Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und ihr Parteikollege Volker Beck am Samstag an der «Gleichheitsparade» teil.
Die Polizei, die mit einem massiven Aufgebot vertreten war, sprach von etwa 3000 Beteiligten. Als Erfolg wertete der Vorsitzende der Kampagne gegen Homophobie, Robert Biedron, dass die Demonstration in diesem Jahr erstmals legal stattgefunden hat.
Die Demonstration wurde zu einem fröhlichen Zug unter der Regenbogenflagge, dem sich nicht nur Schwule und Lesben anschlossen, sondern auch junge Familien, Umweltschützer und Politiker der linken Oppositionsparteien. Am Straßenrand und von den Fenstern ihrer Wohnungen winkten zahlreiche Warschauer den Demonstranten zu und schwenkten Blumen.
Kleine Gruppen von Neonazis und Skinheads versuchten die Veranstaltung zu stören. Die Polizei verhinderte jedoch Konfrontationen mit Rechtsextremisten. «Dies ist ein Tag der Menschenrechte, und wir sind stolz, hier zu sein!», rief Roth unter dem Jubel der Demonstranten. «Wir versprechen, wenn es nötig ist, kommen wir nächstes Jahr wieder.»
Vor der Presse in Warschau sagte Roth, die Teilnahme an der Demonstration sei ein «Freundschaftsdienst, keine feindselige Einmischung». Kritiker hatten die Beteiligung der Grünen-Politiker zuvor als Einmischung in die polnische Innenpolitik bezeichnet.
Beck sprach von einer europäischen Bewegung, die erstmals die Rechte einer Minderheit in einem europäischen Mitgliedstaat stütze. «Das ist eine historische Stunde in der Geschichte des europäischen Volkes», sagte er.
Beck war Ende Mai bei einer nicht genehmigten Homosexuellen- Demonstration in Moskau von einem Stein getroffen und durch den Faustschlag eines offenbar rechtsextremen Mannes verletzt worden. Ein solcher Zwischenfall belaste natürlich emotional, sagte er. «Aber man darf der Gewalt nicht weichen.»
Die Demonstration in Warschau gilt als Erfolg für die polnische Schwulenbewegung. Die «Gleichheitsparade» war in den Vorjahren vom damaligen Warschauer Bürgermeister und derzeitigen Staatspräsidenten Lech Kaczynski untersagt worden. Sie wurde erst erlaubt, nachdem das polnische Verfassungsgericht das Demonstrationsverbot für unrechtmäßig erklärt hatte. Eine Gegendemonstration der rechtsradikalen Allpolnischen Jugend wurde dagegen kurzfristig von den Veranstaltern abgesagt.