GESCHICHTEN
Was Hamburgs Busfahrer so alles erleben
Hamburgs Busfahrer erzählen
Hamburgs Busfahrer erzählen
Anke Henne (45) aus Nienstedten, Busfahrerin bei der Hochbahn: "Vor einiger Zeit stand ich mit meinem Bus an einer sehr belebten Haltestelle und sah, dass ein Rollstuhlfahrer vor der hinteren Tür wartete. Ich kümmerte mich erst um die anderen Gäste und ging dann nach hinten, um die Rampe herunterzuklappen. Der Rollstuhlfahrer war in Begleitung seiner Frau, die ihn vorwurfsvoll ansah. Ich dachte mir nichts dabei und schob ihn in den Bus. Drinnen bedankte er sich, stand auf und setzte sich auf den neben seine Frau. Ich war natürlich total verdutzt. Sie sagten, dass er zwar kurze Strecken laufen könnte, aber für längere den Rollstuhl benötigte. Später fragte mich der Mann, ob ich ihn noch einmal aus dem Bus schieben könnte, er wäre so schön gewesen. Verlegen schob ich ihn dann wieder aus dem Bus."
Foto: Quandt
Knut Becker (57) aus Fuhlsbüttel, Busfahrer der Hochbahn: "An einem Sonnabend fuhr ich die Linie 109, als eine Mutter mit ihrem Kind einstieg. Kurz bevor ich losfahren wollte, kam die Frau ganz hektisch auf mich zu, weil ihr Sprössling seine Brotdose draußen vergessen hatte. Zwei Stationen lang hörte ich sie noch deswegen schimpfen. Sie machte ihrem Kind immer wieder Vorwürfe, dass es ja nicht angehen könne, die Dose zu vergessen. Als die beiden dann ausstiegen und ich mich umdrehte, musste ich schmunzeln. Sie hatte doch tatsächlich ihre Handtasche liegen gelassen."
Foto: Quandt
Iris Kobielski (44) aus Schenefeld, Busfahrerin bei der VHH/PVG: "Ich mache meinen Beruf gern, doch manchmal gibt es auch Situationen, in denen die Leute so viel über ihr Privatleben preisgeben, dass ich es eigentlich gar nicht so gern hören möchte. Es fängt schon damit an, dass einige Fahrgäste in meinen Bus kommen und ihr Telefon nicht einmal zur Seite legen, wenn sie eine Fahrkarte kaufen wollen. Ob man nun möchte oder nicht, man bekommt als Busfahrer so viele Dinge mit, die man eigentlich gar nicht wissen möchte. Zum Beispiel: ,Wer hat mit wem Schluss gemacht und wer mit wem geschlafen?‘ Eigentlich fahre ich genau genommen eine rollende Telefonzelle."
Foto: Schimkus
Helmut Deuerling (60) aus Lurup, Busfahrer bei der VHH/PVG: "Ich hatte mal einen Zwischenfall bei Hagenbeck. Beim Wenden des Busses nahm ich eine scharfe Rechtskurve. Mit einer Hand hielt ich das Steuer, mit der anderen stützte ich mich an der grauen Kassierer- und Fahrertür zum Gang hin ab. Aber da die Türen damals noch keine richtigen Verriegelungen hatten, flog sie auf und ich hatte das Gefühl, von meinem Sitz katapultiert zu werden. Mein Fuß war zwischen Gas und Bremse eingeklemmt und ich lag halb im Fahrerarbeitsplatz, und halb auf dem Gang. Der Bus war außer Kontrolle. Da musste leider ’ne Ampel drunter leiden. Ich bin froh, dass an dem Tag niemand verletzt wurde. Nach dem Zwischenfall gab es Schlösser in den Fahrertüren."
Foto: Schimkus
Corinna Annuschat (43) aus Winterhude, Busfahrerin bei der Hochbahn: "Ich hatte mal ein sehr süßes Erlebnis. Als ich gerade an einer Haltestelle stand, stieg ein Mädchen mit seiner Mutter zu. Noch bevor sich die Türen meines Busses öffneten, fing die Kleine plötzlich an zu strahlen. Sie strahlte und strahlte wie die Sonne und hörte gar nicht mehr auf. Ich hab mich natürlich ziemlich gewundert, bis ihre Mutter zu mir sagte, dass ihre Tochter noch nie eine weibliche Busfahrerin gesehen hätte und dass es für sie etwas ganz besonderes gewesen sei. Das hat mich schon irgendwie berührt."
Foto: Quandt
Anja Ahrends (40) aus Hummelsbüttel, Busfahrerin bei der Hochbahn: "Ich fuhr gerade die Linie 174, als eine Mutter mit Kinderwagen hinten im Bus einstieg. Ihr Sohn sollte vorn einen Fahrschein kaufen. Als ich ihm diesen gab und das Geld nehmen wollte, zögerte er. Der Junge konnte es einfach nicht übers Herz bringen, mir seinen Taler zu geben. Na gut, dachte ich, er hat ja nur zwei Hände. Damals hatte ich eine Tüte Gummibärchen von der Hochbahn dabei, die ich ihm zum Tausch anbot. Die Augen des Jungen sind gleich viel größer geworden. Zwar wollte er mir erst den Fahrschein zurückgeben, um die Gummibärchen zu bekommen, doch dank meiner Überzeugungskraft gelang es mir doch, ihn dazu zu bewegen, mir das Geld zu geben. Als er den Gang hinunter ging, fingen die übrigen Fahrgäste im Bus plötzlich an zu applaudieren. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Eine Packung Gummibärchen trage ich seitdem immer bei mir."
Foto:
Quandt
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Sie fahren täglich Hunderte Kilometer durch Hamburg. Kutschieren Tag für Tag Tausende Menschen von Bergedorf nach Duvenstedt, von Rissen nach Billstedt. Hamburgs Busfahrer und Busfahrerinnen sind die Chauffeure von Schülern, Großeltern, Bankangestellten, Kaufmännern und Arbeitslosen. Sie fahren sie zur Arbeit, in den Zoo oder zur nächsten großen Party.
Hier erzählen sie kuriose Geschichten aus ihrem Alltag.