Anwohner und Geschäftsleute des Schanzenviertels sind sauer. Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz und den anschließenden Krawallen beim Schanzenfest am 4. Juli (MOPO berichtete) sollen sich die Beamten beim zweiten Fest am 12. September zurückhalten.
"Wir, Gastronomen, Einzelhändler, Vereine und Initiativen aus dem Schanzenviertel, sind empört über das provokante Verhalten der Polizei am 4. Juli" - so beginnt eine Erklärung der Schanzenbewohner, die Buchhändler Peter Hass (61) gestern auf einer Pressekonferenz verlas.
Innerhalb eines Tages haben bereits 20 Geschäftsleute unterschrieben: "Wir fordern den Bezirk Altona, die Innenbehörde und die Polizei auf, uns unser Stadtteilfest ohne Einmischung feiern zu lassen. Deshalb geben wir ihnen am 12. September eine weitere Chance, zu einer Politik mit Augenmaß zurückzukehren."
Beim Fest am 4. Juli sei die Polizei schon am frühen Abend aufgelaufen, kritisieren die Unterzeichner: "Große Gruppen von Polizisten in Kampfanzügen drängelten und schubsten durch die feiernden Menschen." Später sei sogar eine "alte Frau mit Krückstock" von einem Wasserwerfer "beschossen" worden.
Bäckermeister Norbert Stenzel (67): "Die sind viel zu früh reinmarschiert, da müssen sie sich nicht wundern, wenn sie jetzt das ganze Viertel gegen sich haben." Der Chef der Traditionskonditorei am Schulterblatt begrüßt ein zweites Fest: "Wir hoffen, dass die Polizei sich dann zurückhält. Man kann ein Viertel auch zum Krawallviertel hinreden." Immerhin gebe es das Schanzenfest schon seit 1988.
Auch Bruno von "Bruno's Käseladen" geht mit der Polizei hart ins Gericht: "Irgendwann war ja das ganze Fest eingekesselt!" Auf die "Gewalttouristen" allerdings möchte er beim zweiten Fest gern verzichten: "Es müssen sich beide Seiten zurückhalten."
Das Fest am 4. Juli war bis 18 Uhr behördlich "geduldet". Diesmal fordern die Veranstalter eine Duldung bis 22 Uhr. Was der Bezirk Altona dazu sagt? "Wir warten auf eine Anmeldung", so der dürre Kommentar aus dem Bezirksamt. Das ist gerade das Problem: Denn offiziell anmelden wollen die Veranstalter das Fest auf keinen Fall, aus Protest gegen "die staatliche Kontrolle des öffentlichen Raums." Das dürfte für Zoff sorgen: "Da rasen zwei Lokomotiven aufeinander zu", so ein Behörden-Insider besorgt.