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GERICHTSPOSSE UM EINEN POLIZISTEN

Für eine LiebesNacht in den Knast

Es begann mit einem Flirt - und endete in einem Albtraum. Ein flüchtiges Sexabenteuer brachte Kamiar M. (27) in die Mühlen der Justiz. Weil seine Affäre für eine Nacht den Seitensprung vor ihrem Partner verheimlichen wollte, behauptete sie, von Kamiar M. vergewaltigt worden zu sein. Seit gestern ist der Albtraum nach neun Monaten Ungewissheit endlich vorbei, vor Gericht wurde der Polizist aus Rissen freigesprochen.



Man lernt sich abends auf der Piste kennen, der Abend endet mit Sex, am Morgen trennen sich die Wege - so ein One-Night-Stand kommt vor. Auch bei Kamiar M. lief es zunächst so ab. Auf einem Stadtteilfest lernte er eine blonde 34-Jährige kennen. Hand in Hand zogen sie später ab. Am nächsten Abend wird Kamiar M. während seines Dienstes auf der Wache verhaftet. Vorwurf: Vergewaltigung.



"Ich bin aus allen Wolken gefallen. Erst dachte ich an einen Scherz", sagt er. Neun Tage sitzt der Polizeimeister in Untersuchungshaft. Der Haftrichter hatte erst Verdunklungs-, dann Fluchtgefahr gesehen. Weil der deutsche Staatsbürger Kamiar M. im Iran geboren wurde. Der junge Mann fühlt sich ohnmächtig. "Allein der Vorwurf schmerzt. Aber ich wusste, dass ich es nicht getan hatte", sagt er. Er wird vom Dienst suspendiert. Freunde, Familie und Kollegen glauben ihm.



Die sechs Monate bis zum Prozessbeginn sind lang und quälend. "Diese Zeit war eine ganz schöne Belastung", sagt er. Vor Gericht lässt er seinen Anwalt für sich reden. Das angebliche Opfer schildert den Richterinnen eine zweieinhalbstündige Vergewaltigung. Die zweifache Mutter verheddert sich in Widersprüchen.



Kamiar M. zerrte sie vom Bürgersteig aus in seine Wohnung, behauptet sie - doch sie rief nicht um Hilfe. Auch dass sie von dort nicht flüchtete, als Kamiar M. auf der Toilette war, kam den Richterinnen merkwürdig vor. Kamiar M. schießen Tränen in die Augen, als sie seinen Freispruch verkünden. Der Staatsanwalt wollte ihn für vier Jahre ins Gefängnis stecken.



Warum die folgenreiche Beschuldigung? "Möglich, dass sie Angst hatte, dass ihr Freund von der Sache erfahren könnte", so die Vorsitzende Richterin. Nach der angeblichen Tat soll die Frau einer Nachbarin gesagt haben: "Ich glaube, ich bin vergewaltigt worden." Die schleppte sie zur Polizei. Dort soll sie gesagt haben: "Wenn ich sage, dass alles freiwillig war, kann ich dann gehen?" Die Richterin: "Es wurde ein Rad in Bewegung gesetzt, dass nicht mehr gestoppt werden konnte."



Die Ex-Freundin des beschuldigten Polizisten hatte die Anklage ins Wanken gebracht. Sie hatte ausgesagt, sie habe die beiden "turtelnd ins Haus gehen sehen". Der Staatsanwalt glaubte ihr nicht und leitete ohne Wissen der Richterinnen ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau ein. Das Vorgehen habe sie "verwundert", so die Richterin.



Nach dem Urteil liegen sich Kamiar M. und seine Familie im Gerichtsflur in den Armen. "Ich habe immer an die Gerechtigkeit geglaubt. Ich bin froh, dass meine Unschuld nun offiziell ist", sagt er. Eine Woche hat der Staatsanwalt nun Zeit, um gegen das Urteil anzugehen. Für eine Liebesnacht in den Knast - so leichtfertig wird sich Kamiar M. wohl nicht mehr auf ein Abenteuer einlassen. Er sagt: "Ich habe daraus gelernt."

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Datum:  25.2.2006
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