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Wie Manuela zum 2. Mal Opfer wurde

Manuela S.

Foto: Lotte &Ede

Wie viel Unglück kann ein Mensch haben? Manuela S. (33) ist seit einem Unfall mit einem Dom-Fahrgeschäft schwerbehindert, nach neunjährigem Kampf zahlte die Versicherung eine halbe Million Euro. Das Geld sollte ihre Zukunft sichern, doch Manuela S. vertraute dem falschen Mann. Heute beginnt vor dem Amtsgericht Barmbek der Prozess gegen einen 62-jährigen Baubetreuer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor.



500000 Euro, das hört sich viel an, doch als Manuela S. die Summe im Januar 2008 ausgezahlt wurde, gingen 100000 Euro gleich weg: Geld, das sie in neun Jahren für Reha-Maßnahmen, Pflegedienste, Gutachter und Anwälte vorgestreckt hatte.



Am 16. April 1999 hatte Manuela S. als sportliche Jurastudentin den „Count Down“ auf dem Dom bestiegen. Ohnmächtig und schwer verletzt wurde sie nach dem Raketentrip aus dem Fahrgeschäft gehoben – die gigantischen Fliehkräfte hatten ihr Genick angebrochen. Schrauben halten seitdem ihren Kopf an der Wirbelsäule.



„Ich musste mir überlegen, wie ich es schaffe, dass die 400000 Euro bis an mein Lebensende reichen“, sagt Manuela S., „und da fand ich die Idee, ein Haus zu bauen, am vernünftigsten.“ Ein Haus, in das sie zunächst mit ihren Eltern einziehen könnte und das ihr später Mieteinnahmen brächte.

Sie findet ein Grundstück in Duvenstedt und einen vermeintlich seriösen Partner: Peter H., Baubetreuer. „Wir lagen total auf einer Wellenlänge“, erzählt Manuela S., „es machte Spaß, mit ihm zu planen, ich hatte zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Freude am Leben.“ Peter H. habe sich „richtig in unsere Familie eingeschlichen“, sagt sie rückblickend: „Er sagte, dass mein Schicksal ihm so nahe ginge, und dass er auch über die Bauphase hinaus ein Freund der Familie bleiben wolle.“



Nur dieses besondere Verhältnis erklärt, was im März 2008 geschieht: Manuela S. übergibt Peter H. treuhänderisch ein Viertel ihres Geldes, 100000 Euro. „Er sagte, wenn er die Summe ein paar Monate zu seinem eigenen Vermögen legt, könnte ich 25000 Euro Zinsen bekommen. Das war die Summe, die ich für eine behindertengerechte Küche brauchte.“



Manuela zögert. Was ist, wenn die Raten für den Bauunternehmer fällig werden? Die werde er natürlich überweisen, sagt Peter H. Er fährt eine Luxuskarosse, hat ein großes Haus und er meint es gut mit ihr, glaubt Manuela: „Er sagte, er möchte unbedingt, dass ich meine Küche bekomme.“ Auch ihre Eltern vertrauen dem vermeintlich wohlhabenden Geschäftsmann, der die ganze Familie schon in sein Ferienhaus in Florida einladen wollte. Manuela S. unterschreibt.



Eine Rate, 25000 Euro überweist Peter H., dann nichts mehr. Das Geld ist weg, von den versprochenen Zinsen keine Spur. Es beginnt das Vertrösten: „Es wurde immer dubioser, ich bekam es mit der Angst zu tun“, sagt Manuela.



Die Staatsanwaltschaft wird später schreiben: „Nach den Ermittlungen war H. überschuldet, verfügte weder über Haus noch Kraftfahrzeug und verwendete das Geld für eigene Zwecke.“ Manuela muss einen Kredit aufnehmen, um die Raten zu bezahlen.



Es kommt noch schlimmer: Ein Gutachter stellt Mängel am Haus fest, der Bauunternehmer stellt die Arbeiten ein. Im September 2008 droht die Obdachlosigkeit: Das Traumhaus ein Rohbau, die bisherige Wohnung gekündigt, und mit zwei Labrador-Hunden findet die Familie nur eine sehr teure Unterkunft: Ein Jahr wohnen sie in einem kleinen Ferienhaus in Damp. Für 20000 Euro Miete.



„Peter H. hat mir meinen Traum genommen, damit gespielt und ihn zerstört“, sagt Manuela. „Das Schlimmste ist, dass er mir mein Vertrauen in Menschen genommen hat.“

Der Fall Manuela S.

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Datum:  1.7.2010
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