Hamburgs Politiker wollen offenbar vor nichts zurückschrecken, um ihre drastischen Sparziele zu verwirklichen, machen selbst vor beliebten Ausflugszielen nicht halt: Auf der Sparliste für die Bezirke stehen auch die Wildgehege Hirschpark, Klövensteen und Jenischpark (Altona) sowie Niendorfer Gehege (Eimsbüttel). Durch deren Abschaffung könnten 100000 Euro jährlich eingespart werden. Für die Hamburger bedeutet dies: Es gäbe keine Möglichkeit mehr, sich ohne finanziellen Aufwand an der Tierwelt zu erfreuen, die außerhalb von teuren Zoos besucht werden kann.
Gerade für Familien mit kleinen Kindern sind die Wildgehege in Hamburg ein wichtiges Ausflugsziel. Ob Hirsche, Rehe, Wildschweine, Pfauen oder Frettchen -das Füttern, Angucken und Bestaunen ist für Kinder ein besonderes Erlebnis. Und das umsonst! Warum diese beliebten Gehege nun auf der Sparliste gelandet sind, unterm Strich aber nur ein äußerst geringes Einsparvolumen abgeben? Kein Kommentar, heißt es dazu allerorten. Aus der Finanzbehörde ist einzig zu hören: "Das sind Vorschläge, und wir werden diese nicht kommentieren, solange es keine Entscheidungen gibt", sagt Sprecher Daniel Stricker.
Und auch im betroffenen Bezirk Altona gibt man sich wortkarg: "Wir sagen dazu nichts, weil sich alles noch in der Abstimmung befindet", sagt Sprecherin Kerstin Godenschwege. Der Eimsbüttler Bezirksamtschef Torsten Sevecke wird deutlicher: "Das sind keine Bezirksvorschläge. Wir haben diese Liste nur zur Kenntnis genommen, wir haben aber nicht zugestimmt." Zu einer eventuellen Schließung des Wildgeheges im Niendorfer Gehege sagt er: "Das wäre ein schmerzlicher Verlust." Klar ist: Die Bezirke werden bluten müssen, ebenso wie alle Behörden. Doch dass ausgerechnet bei Einrichtungen gespart werden soll, die auch eine wichtige sozialpolitische Funktion einnehmen und vor allem für einkommensschwache Familien attraktiv sind, wird als Skandal betrachtet. "Der Senat vergreift sich an Familien, die sich einen Besuch bei Hagenbeck nicht leisten können", sagt SPD-Fraktionschef Michael Neumann. Für die Polizeireiterstaffel habe der Senat mehr als 600000 Euro übrig -aber er macht die Wildgehege dicht, um 100000 Euro zu sparen. "Das ist das Gegenteil von vernünftiger Politik", sagt Neumann. Auch die Linkspartei ist entsetzt: "Mit der Schließung der Wildgehege wird den Menschen in Hamburg wieder ein Stück Natur genommen. Ganz besonders trifft es -wie bei Schwarz-Grün üblich -Familien und die sozial Schwachen", sagt die Abgeordnete Elisabeth Baum.
Was bei einer Schließung der Gehege mit den Tieren geschehen wird, bleibt zunächst unklar. Entweder sie werden erschossen oder auf andere Gehege im Umland verteilt.
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