Mein Haus soll ein Bethaus heißen, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus".
Matthäus 21,12-13.
Waren Sie Weihnachten in Ihrer Kirche? Prägen sie sich den Festgottesdienst gut ein, es könnte der letzte in ihrer Gemeinde gewesen sein. Laut einer Immobilienstudie der Dresdner Bank sind 35 der 144 Evangelischen Kirchen Hamburgs von Abriss bedroht.
Über einen der Abrisskandidaten hatte die MOPO Dienstag berichtet: Die 1959 erbaute Bethlehemkirche am Eppendorfer Weg. Hier beträgt der aktuelle Sanierungsbedarf gut zwei Millionen Euro. Geld, das die Gemeinde nicht hat. Ausufernde Renovierungskosten (Bundesweit sechs Milliarden Euro!), die rückläufige Zahl von Kirchenmitgliedern und rasant steigende Betriebskosten zwingen die Kirchen, sich von vielen Gotteshäusern zu trennen. In den nächsten Jahren geht die Deutsche Bischofskonferenz bundesweit von 700 Kirchenschließungen aus. Und Hamburg? Hier war bisher nur von zehn gefährdeten Kirchen die Rede, beispielsweise der Barmbeker Bugenhagenkiche oder der Heiligengeistkirche. Die Nordelbische Kirche dementierte gestern weitergehende Planungen.
Die MOPO erfuhr aber aus Hamburger Behördenkreisen von der Existenz einer Liste mit 35 akut gefährdeten Kirchen. So gibt es bereits eine Arbeitsgruppe vor allem aus Mitarbeitern von Kultur-, Finanz- und Stadtentwicklungsbehörde und den Kirchen. Ziel: Überlegen, wie Hamburg mit den frei werdenden Arealen und verlassenen Gotteshäusern im Stadtbild umgehen will. Abriss soll immer nur der allerletzte Schritt sein. Doch vor allem die in den 50er Jaren errichteten Sakralbauten haben erhebliche Baumängel. Kein Investor würde hier Geld reinstecken.
Wenn die Kirche für diese Grundstücke gutes Geld erzielen will, geht das nur mit Abrissgenehmigung. Einen ungewöhnlichen Weg, Abbruch zu verhindern, gingen 180 Gemeindemitglieder der Rahlstedter Dankeskirche. Sie bringen jährlich 21500 Euro auf, betreiben ihr Gottshaus in Eigenregie.