Sie treffen sich in Kneipen in Billstedt oder Rotherbaum. Sie herrschen über Bordelle auf dem Kiez und am Straßenstrich an der Süderstraße (Hammerbrook): die Hells Angels, die berüchtigtsten Rocker der Welt. Während sie woanders auf ihren schweren Harley-Davidson-Maschinen laut röhrend Stärke zeigen, halten sie sich an der Alster zurück. Doch im Milieu sind sie allgegenwärtig und ein erheblicher Machtfaktor.
Wenn Hamburgs oberster Milieufahnder Thomas Menzel über die Hells Angels spricht, gibt er sich betont gelassen. Ja, es gibt sie, aber sie fallen nicht auf, sagt der Kriminaldirektor. Doch die Zurückhaltung seiner "Kunden" hat rein taktische Gründe. In Bordellen wie dem riesigen "Laufhaus" auf der Reeperbahn scheffeln die Rocker Millionen. Aktuell bauen sie fast nebenan einen weiteren Puff, beherrschen den Hans-Albers-Platz und sind auch am Bau von Hamburgs größtem Bordell, dem "Babylon" an der Süderstraße, beteiligt.
Die "Spezialität" der Zuhälter in der Rockerkluft ist, dass sie die Prostituierten in großem Stil auch mit Kokain und anderen Drogen versorgen. Dadurch verdienen die Hells Angels gleich doppelt an den Frauen. Ein Insider: "Mindestens 150 Frauen schaffen hier aktuell für die Angels an. Eine gute Frau bringt 500 Euro am Tag an Liebeslohn und Drogenkonsum." Macht etwa 75000 Euro für die Hells Angels pro Tag. Da wundert es nicht, dass führende Höllenengel in der vergangenen Woche einen Kumpel im 200000-Euro-Bentley zu einem Knastaufenthalt eskortierten. Bei diesen Beträgen ist klar, dass die Hamburger Hells Angels jeden Versuch ihrer Konkurrenten, der Bandidos, in der Hansestadt Fuß zu fassen, mit aller Gewalt verhindern wollen. Nach MOPO-Informationen hatten Zuhälter aus dem Bandidos-Umfeld versucht, in Jenfeld und Billstedt Fuß zu fassen.
Mit der Gründung eines Ablegers ("Charters") in Lübeck haben die Hells Angels deshalb nochmals ihren absoluten Machtanspruch im Norden untermauert.
Der geflügelte Totenkopf ist weltweit das "Vereinssymbol" der Hells Angels.