Ein roter Teppich führt die drei Stufen hinab ins Souterrain, wenige Schritte vom Schulterblatt entfernt. Tapio Grünig hat ihn für die Gäste seines "Café Troll" ausgerollt. "Troll" ist schwedisch und bedeutet "Wichtel" - also kleine Männchen mit zauberhaften Fähigkeiten. Drinnen umschließt den Besucher auch gleich eine magische Atmosphäre. Mit Hexerei hat das wenig zu tun.
Die goldfarbene Kanne am Türknauf ähnelt der verwunschenen Öllampe aus dem "Sindbad"-Märchen. Wer daran reibt, dem erscheint ein Geist, der Wünsche erfüllt. Grünig selbst ist dieser gute Geist. Er erfüllt den Wunsch nach einem Ruhepol in der quirligen Schanze. Gerade mal zwölf Sitzplätze und sanfte Klarinettenmusik im Hintergrund garantieren Unaufgeregtheit.
Der 36-jährige Tapio Grünig ist Industriedesigner und steht nun zum ersten Mal hinter einem Tresen. Der hat aber dafür gleich eine bezaubernde Geschichte zu erzählen: Getischlert wurden er im spanischen Valencia, getrunken wurde an ihm in der Südsee. Ein Hamburger Kapitän brachte ihn mit nach Deutschland. Grünig fand ihn auf dem Kiez und stellte ihn in den hellgrünen Vorraum. "Ich habe hier monatelang gewerkelt", erzählt er. Am Holzfußboden im Hinterzimmer, den rosafarbenen Wänden und einer winzigen Marionettenbühne.
Tapio Grünig hat genaue Vorstellungen von seinem verzauberten Ort. "Hier darf nicht geraucht werden, da Frauen mit ihren Kindern zu meinem Publikum zählen sollen." Nicht ausschließlich kindgerecht ist die Getränkekarte: Neben Kaffee gibt es eine Reihe Wodkasorten und finnischen Lakritzschnaps. Grünigs Mutter ist Finnin. Man schmeckts: Nordische Torten und Brote mit Hering oder Rentierfleisch belegt stehen zur Auswahl (ab zwei Euro).
Der Knauf auf der Innenseite der Tür hat übrigens eine Krone aufgesetzt. Und richtig: Man fühlt sich wie eine kleine Majestät, wenn man die Räume wieder verlässt. Denn Grünig ist wirklich um das Wohl seiner Gäste bemüht. Und über den roten Teppich flaniert man wieder hinaus in die aufgeregte Schanze.