Rein, Stirn runzeln, raus, fragend auf das Schild gucken - und wieder rein. "Sind wir hier richtig?", fragen die Gäste zögernd, wenn sie über die Schwelle des Restaurants "Zum Alten Senator" treten. Ja, sie sind! Doch sind Zweifel durchaus berechtigt, denn das traditionsreiche Restaurant in der Neustadt ist kaum wiederzuerkennen. Unter neuer Führung wurde der "Alte Senator" richtig aufgemöbelt. Dunkle Holzvertäfelung und durchgesessene 60er-Jahre-Sitzecken sind rausgeflogen. Stattdessen hellen weiße Wände, beige Sitzreihen und in die Wand eingelassene Bildschirme mit flackerndem Kaminfeuer die Räume auf.
Dennoch haben die zwei Betreiberinnen Maren von der Heydt und Bianka Erlwein ein Stück des hanseatischen Flairs erhalten. "Eine Kombination aus Traditionellem und Modernem war uns wichtig." Und so schauen die alten Senatoren noch immer mit ernsten Blicken von den Wänden, und Fotos von Heidi Kabel oder Uschi Glas zeugen von den goldenen Zeiten des Restaurants zwischen Kiez und Michel.
Alt trifft Neu: Auch auf der Speisekarte findet sich eine gelungene Mischung. Klassiker wie Wiener Schnitzel (16,50 Euro), Labskaus (14,50 Euro) und Aalsuppe (7,50 Euro) sind geblieben, leichte Gerichte der Neuen Deutschen Küche wie Rehmedaillons (22,50 Euro) oder Sojafleisch (11,50) lockern die Karte auf. Roastbeef oder Victoriabarsch (je 6 Euro) erhalten hungrige Geschäftsleute ab 12 Uhr beim Mittagstisch. Und zum Kennenlernen gibts einen kulinarischen Leckerbissen: das Menü (29,50 Euro) aus "samtigem Süppchen von der Petersilienwurzel", dazu gebratenen Saibling oder Rehmedaillons und als Nachtisch Grießflammerie. Mmmmmmh!
Maren von der Heydt und Bianka Erlwein haben sich ein hohes Ziel gesetzt: "Wir wollen zu einem der Top-10-Restaurants im Bereich Neue Deutsche Küche werden." Ob sie ihren Zielen gerecht werden, müssen sie jetzt unter Beweis stellen.