Der Rückkauf des Gängeviertels - die zuständige Stadtentwicklungsbehörde reagierte gestern äußerst schmallippig auf Nachfragen. Man will die eigene Verhandlungsposition nicht schwächen. Denn die Rücknahme-Verträge zwischen der Stadt und dem Investor "Hanzevast" sind längst noch nicht in trockenen Tüchern. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Deal.
- Will die Stadt nun selbst bauen? Es dürfte längst Ideen für die Zukunft geben. So könnte die Stadt das Quartier in Eigenregie entwickeln - wohl die teuerste Lösung. Möglich ist auch, den Künstlern Teile an die Hand zu geben - soweit diese genügend Sponsorenmittel aufbringen können. Wahrscheinlichste Lösung ist aber die Suche nach einem neuen Investor.
- Wie bewerten Hamburger Investoren die Lage? "Der Preis, den die Stadt damals verlangt hat, war viel zu hoch", sagt Frank Michael Holst von Aug. Prien. Das Hamburger Traditionsunternehmen hat das Brahmquartier nebenan entwickelt. "Da ist es kein Wunder, dass Investoren die Fläche maximal bebauen wollen." Wenn die Stadt nun neu überlege und zu moderaten Preisen bereit wäre, "so wären wir zumindest offen, dieses attraktive Gebiet mit den Künstlern und unter neuen Rahmenbedingungen ins Auge zu fassen."
- Was will die CDU? "Hamburg hat so wenig historische Bausubstanz, davon muss man so viel wie möglich erhalten", sagt Wolfgang Beuß, der stellvertretende Fraktionschef der CDU. "Es gibt offenbar einen neuen Zeitgeist in Hamburg und dem darf die CDU nicht hinterherlaufen." Um eine gemeinsame Parteilinie zur Stadtentwicklung und Projekten wie dem Gängeviertel oder Frappant zu bekommen, plant die CDU einen Workshop zu Stadtplanung und Erhaltensverordnung.
- Bleibt es bei friedlichen Protesten? Das ist noch nicht abzusehen. Neben dem Gängeviertel gibt es jede Menge anderer Orte, an denen es krachen könnte - so der Ikea-Neubau in Altona oder die Sanierung des Bernhard-Nocht-Quartiers. So kündigen die Bambule-Bauwagenleute bereits einen "heißen Herbst" an. Sie solidarisieren sich mit anderen Gruppen gegen Yuppiesierung und für ein "Recht auf Stadt" und rufen zur Demo am 28. November auf. (san)
BU: Ein Innenhof im Gängeviertel. Langsam wird's bitterkalt für die Künstler, bisher gibt es keine Heizmöglichkeiten.