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Bayer-Chef verärgert über HSV und Labbadia

Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen hat im Gerangel um seinen Cheftrainer Bruno Labbadia die Vorgehensweise des Bundesliga-Konkurrenten Hamburger SV scharf verurteilt.

«Der Herr Labbadia hat bei uns noch für ein weiteres Jahr einen Vertrag. Und ich habe den HSV aufgefordert, die Vertragslage zu respektieren», sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Ich bin verstört über Meldungen, dass er sich mit dem HSV schon einig sein soll. Bisher hat niemand von uns gesagt, dass wir uns vom Trainer trennen wollen.» Außerdem wetterte er grundsätzlich gegen das aktuelle «Job-Hopping» der Fußball-Trainer: «Es ist mir zuwider.»

Für Holzhäuser ist dies ein Zeichen für einen Sittenverfall. «Ich bin verärgert über die Situation im deutschen Fußball, dass Trainer Verträge eingehen, sie dann kurzfristig beenden - ohne finanzielle Entschädigung für den betroffenen Club», kritisierte er. «Ich bin soweit, ein Exempel zu statuieren.» Damit machte er deutlich, dass der sich abzeichnende vorzeitige Ausstieg von Labbadia aus seinem Kontrakt den HSV teuer zu stehen kommen wird. Dort hatte zuvor der Niederländer Martin Jol überraschend seinen bis 2010 datierten Vertrag aufgelöst, um zu Ajax Amsterdam zu wechseln.

Kein Verständnis zeigte der Bayer-Chef im Zuge der Diskussion um das derzeitig große Trainer-Revirement in der Bundesliga für Äußerungen von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Er hatte zwar den Trend zum Vertragsbruch bei den Trainern («Früher wurden sie mit Füßen getreten») moniert, aber auch festgestellt, dass sie «Qualität haben» und sich «gewisse Dinge» aussuchen könnten. «Ich kann diese tolerierende Darstellung von Sammer nicht akzeptieren», sagte Holzhäuser und sprach von einem Verfall von «Ethik und Moral unter den Trainern».

Ungeachtet dieser Fundamentalkritik haben der Werksclub und Labbadia offenbar keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gefunden. Der 43 Jahre alte Trainer hatte mit einer am Tag des DFB-Pokalfinals (0:1 gegen Bremen) veröffentlichten Klage gegen eine «Komfortzone» für Spieler, einer vereinsinternen Kampagne und einem gestörten Verhältnis zu Manager Michael Reschke für einen Paukenschlag gesorgt.

Statt diese Attacke und die ausgebliebenen Erfolge (9. Platz in der Bundesliga) mit einem Rauswurf zu ahnden, wurde die Labbadia- Kritik vor allem beim Hauptsponsor, der Bayer AG, ernst genommen und nach einer Lösung mit Labbadia gesucht. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning soll nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» dem Coach, der zu Saisonbeginn vom Zweitligisten Greuther Fürth gekommen war, sogar die Doppelfunktion von Traineramt und Managerposten offeriert haben.

Ein gewichtiges Argument für eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist das offenkundig gestörte Verhältnis des strengen wie ehrgeizigen Fußball-Lehrers zu großen Teilen der Mannschaft. «Dass es Problemfelder gibt ist bekannt. Doch das sind interne Dinge, die intern zu besprechen sind», sagte Holzhäuser, der einmal mehr betonte: «Bruno Labbadia ist ein guter Trainer.»

Ein HSV-Sprecher hatte zuvor der Deutschen Presse-Agentur dpa über eine Einigung mit Labbadia gesagt: «Wir sind positiv gestimmt.» In den Verhandlungen mit dem Werksclub geht es wohl nur noch um die Ablöse für den Coach. «Es gibt noch Dinge zu klären mit Leverkusen», sagte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker, «grundsätzlich wäre die Lösung ideal, weil Labbadia Stallgeruch hat und ein junger und ehrgeiziger Trainer ist». Der ehemalige Stürmer bestritt für die Norddeutschen zwischen 1987 und 1988 41 Bundesliga-Spiele. Nach Darmstadt, Greuther Fürth und Leverkusen wäre Hamburg die vierte Trainerstation von Labbadia.

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Datum:  5.6.2009
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