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FREIE FAHRT FÜRS KLIMA - AM 21. JUNI IST AUTOFREIER SONNTAG

Der radelnde Justiz-Senator

Ein Mann in feinem grauem Anzug und mit perfekt gebundener Krawatte düst auf dem Tourenrad durch die Neustadt. Er schließt sein Rad an und geht ins Rathaus. Dann verschwinden Helm, Fahrradtasche und Hosenklammern im Spind. Vorm Spiegel rückt er sich noch mal die Krawatte zurecht, dann geht Justizsenator Till Steffen (35, GAL) in aller Ruhe zum Senatsempfang mit Prominenten und einflussreichen Firmenchefs. In der MOPO spricht der radelnde Senator über seine Fahrradleidenschaft.



Strampel-Pensum: "Ich fahre zu 60 Prozent Rad und viel U-Bahn. Häufigste Strecke von zu Hause (Eimsbüttel) in die Justizbehörde an der Drehbahn (Neustadt). Manchmal bringe ich auf dem Weg noch meinen Sohn in die Kita. Das sind knapp fünf Kilometer pro Strecke. Für weite Wege - etwa zu den Haftanstalten - nehme ich den Dienstwagen."



Senatsempfänge: "Was spricht dagegen, zu einem Empfang mit dem Rad zu fahren? Das merken die Gäste gar nicht, weil ich im Rathaus Fahrradhelm und Tasche im Spind verschwinden lasse. Und Anzüge behindern doch beim Treten in die Pedale nicht. Kein Problem."



Tempo: "Ich fahre durchaus zügig. Meine Staatsrätin und ich feuern uns da gegenseitig an. Wenn wir vom Rathaus in die Behörde fahren, liefern wir uns regelmäßig kleine Rennen. Wir teilen uns auch einen Dienstwagen, sodass die Justizbehörde auf einen Dienstwagen verzichten konnte."



Schwitzen: "Kein Problem bei mir, ich schwitze kaum."



Rücktrittbremsen: "Nein. Ich fahre ein Tourenrad mit Kettenschaltung und 18 Gängen. Aber die brauche ich nie alle."



Reparieren: "Klar kann ich mein Fahrrad reparieren, das habe ich mal richtig gelernt. Aber dazu habe ich als Senator keine Zeit mehr."



Steigungen: "In Blankenese vom Strand zum Falkentaler Weg komme ich nur im ersten Gang hoch. Aber sonst bietet Hamburg einem ehemaligen Wiesbadener diesbezüglich keine Herausforderungen."



Fahrradwege: "Ich fahre am liebsten auf der Straße. Fahrradstreifen auf der Straße sind an vielen Stellen besser. Die ständige Verbannung der Radfahrer auf den Gehweg finde ich nicht okay."



Verkehrssünden: "Ich würde nicht verkehrt herum durch die Einbahnstraße fahren oder bei Rot über die Ampel. Aber ich halte mich nicht immer an die Radwegebenutzungspflicht. Sonst bin ich aber als legalistischer Radfahrer verschrien."

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Datum:  19.6.2009
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