Reinhard B., ein bekannter Hamburger Rechtsanwalt, ist von Geschworenen eines Gerichts in Fort Lauderdale (Florida) wegen räuberischer Erpressung schuldig gesprochen worden. Ende Juni wird der Richter verkünden, für wie lange der 53-Jährige ins Gefängnis muss. Die Höchststrafe beträgt in den USA 25 Jahre. Das bedeutet: Er wäre 78 Jahre alt, wenn er wieder rauskommt.
B. und zwei Komplizen war vorgeworfen worden, im Januar einen ehemaligen Geschäftsfreund, den in den USA lebenden Claus F., erpresst zu haben. Dabei ging es um 1,5 Millionen Dollar. Um an das Geld zu kommen, sollen sie Claus F. gedroht haben: "Entweder du zahlst oder dir und deiner Familie stößt was Schlimmes zu."
Pech für B. und die anderen: Sie wurden seit ihrer Ankunft in den USA von Agenten des FBI beschattet. Nach MOPO-Informationen ermittelten die Fahnder gegen die Deutschen wegen des Verdachts der Geldwäsche. Das FBI hörte Gespräche ab. So wurden die Beamten zufällig Zeugen der Erpressung. Drei Tatverdächtigte, darunter Anwalt B., wurden daraufhin verhaftet.
"Hinter diesem Fall steckt noch viel mehr", vermutet ein MOPO-Informant. Es soll um einen gigantischen Wirtschaftsbetrug gehen. Welche Rolle Anwalt B. dabei spielt, ist unklar. Es heißt aber, er besitze eine so genannte Offshore-Bank auf den Bahamas. Half er Anlegern etwa dabei, ihr Geld an der Steuer vorbei ins Ausland zu schaffen? Dafür spricht, dass einer seiner mitverurteilten Komplizen als Experte für derartige Steueroasen gilt.
Alle Beteiligten des Erpressungsfalls - inklusive des Opfers Claus F. - spielten jahrelang eine Schlüsselrolle bei einer gigantischen Abzocke rund um die so genannte "Polizei-Basis-Gewerkschaft". In der (irrigen) Annahme, dass diese Organisation etwas mit der Polizei zu tun habe, ließen sich Tausende Geschäftsleute dazu überreden, in wertlosen Publikationen teure Annoncen zu schalten. Anwalt Reinhard B. vertrat die "Polizei-Basis-Gewerkschaft" vor Gericht. Auch als Verteidiger der "Hells Angels" trat er bereits in Erscheinung.
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