E s wird ernst für Senator Michael Freytag. Der Hamburger Taxi-Unternehmer Eberhard Engel hat seine Ankündigung wahr gemacht und Strafanzeige gegen den CDU-Politiker erstattet. Engel wirft Freytag Strafvereitelung im Amt vor (MOPO berichtete). Obwohl seit Langem bekannt sei, dass ein Großteil der Taxi-Unternehmen Steuern und Abgaben in Millionenhöhe hinterziehen, habe er nichts unternommen. Freytag war als Senator für Stadtentwicklung auch für die Überwachung des Taxi-Gewerbes zuständig.
Viele Taxifahrer begrüßen Engels Schritt. Vor allem Aurel Tetzlaff, der Geschäftsführer des Hamburger Taxenverbandes (HTV). Der HTV habe immer wieder versucht, mit dem Senator ins Gespräch zu kommen, um Probleme des Taxi-Gewerbes zu lösen. "Aber wir wurden ignoriert, haben auf keinen unserer Briefe jemals auch nur Antwort erhalten." Die Zusammenarbeit der Behörde mit den Verbänden sei gelinde gesagt "unzulänglich".
Tetzlaff bestätigt: "In unserer Branche wird betrogen, was das Zeug hält!" Engel hatte die Summe hinterzogener Steuern und Abgaben auf 30 Millionen Euro pro Jahr geschätzt - Tetzlaff spricht gar von 140 Millionen! Er rechnet die Ergebnisse der Osnabrücker Zollfahndung hoch, die vor acht Jahren ermittelt hatte, dass pro Taxi durchschnittlich 40000 Euro an Steuern und Abgaben einbehalten worden waren.
Tetzlaff ist wie Eberhard ein Verfechter des Fiskaltaxameters. Der Behörde wirft Tetzlaff vor, nicht ausreichend Druck in Berlin zu machen. Er selbst hat seine Fahrzeuge bereits alle mit diesem Gerät ausgestattet: Jeder Kilometer, den seine Taxis fahren, jeder Euro, den die Fahrgäste zahlen, wird darin gespeichert. Umsätze zu verschweigen, ist so nicht mehr möglich. Tetzlaff: "1000 Euro pro Taxi müsste die Stadt ausgeben - aber schon nach wenigen Monaten hätte sich diese Investition ausgezahlt. Warum tut sie es nicht?"