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Filmkritik

Nanga Parbat: Wenig überzeugendes Bergsteiger-Drama

Ende Juni 1970 verliert der Südtiroler Bergsteiger Günther Messner am Nanga Parbat sein Leben. Laut Reinhold Messner, der zuvor mit seinem Bruder allein gen Gipfel geklettert war und ihn beim Abstieg aus den Augen verlor, riss ihn wahrscheinlich eine Lawine in den Tod. Über das, was beim Abstieg wirklich geschah, entbrennt in der Folge ein auch öffentlich ausgetragener heftiger Streit. Denn andere Teilnehmer der damaligen Expedition werfen Messner vor, er habe seinen höhenkrank gewordenen Bruder aus übermäßigem Ehrgeiz im Stich gelassen. Selbst nach dem Fund der sterblichen Überreste Günther Messners im Jahr 2005, der die Version des Zurückgekehrten zu bestätigen scheint, wollen die kritischen Stimmen nicht verstummen. Die finden in Joseph Vilsmaiers Bergsteiger-Drama allerdings kaum Gehör. Der Film schildert das Geschehen am Nanga Parbat, dem mit 8125 Meter neunthöchsten Berg der Welt, ganz aus der Perspektive Reinhold Messners, der dem Regisseur auch beratend zur Seite stand.



1969 wird Reinhold (Florian Stetter) von Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) eingeladen, an seiner für das kommende Jahr anberaumten Expedition zum Nanga Parbat teilzunehmen. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder (Andreas Tobias), ebenfalls ein Bergsteiger aus Passion, fühlt sich nicht zum ersten Mal zurückgesetzt. Doch weil ein Expeditionsteilnehmer ausfällt, kann auch er schließlich mit nach Pakistan reisen. Allerdings steht das Unternehmen von Anfang an unter keinem guten Stern. Lange sitzt man in Rawalpindi fest, unter den Teilnehmern kommt es zu Reibungen und Eifersüchteleien. Und auch mit dem Wetter ist das so eine Sache. Als die Witterungsverhältnisse wieder einmal einen Aufstiegsplan zu durchkreuzen drohen, wagt Reinhold den Alleingang durch die bis dato unbezwungene Rupalwand, der mit 4500 Metern höchsten Steilwand der Erde. Günther, der eigentlich den Abstieg sichern soll, folgt ihm vier Stunden später - ohne Seil, Zelt und Proviant ...



Neben diesem Drama am Berg konzentriert sich Vilsmaier noch auf die von gegenseitiger Zuneigung, aber auch von geschwisterlicher Konkurrenz geprägte Beziehung der beiden Brüder sowie Reinholds Konflikt mit dem autoritären Expeditionsleiter Herrligkoffer. Leider gewinnen die Charaktere dabei kaum Tiefe. Zudem fällt die mitunter bis an die Grenze zur Karikatur einseitig negative Darstellung des 1991 verstorbenen Herrligkoffer unangenehm auf.



An der Marke "einfach" orientiert sich auch die Dramaturgie. Stellvertretend dafür steht eine der Szenen, die in die Kindheit der beiden Messners zurückblendet: Während einer Predigt zum Thema "Bin ich meines Bruders Hüter?" überlegt der kleine Reinhold, wie er am besten zur Orgel raufklettern könnte.



Richtig überzeugen können letztlich nur die glänzend eingefangenen Himalaja-Panoramen, die häufig im Wechsel mit den nur mäßig packend inszenierten, in den Alpen gedrehten Kletter-Szenen zu sehen sind.



Fazit: Ein Film, der das dramatische Potenzial seines Stoffes weitgehend verschenkt.

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Datum:  14.1.2010
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